Einwilligung – Vorlagen für BigBlueButton

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Wenn eine Schule eine Videokonferenz Plattform betreibt oder mit einem Vertrag zur Auftragsverarbeitung durch einen Dienstleister betreiben lässt, fallen bei der Nutzung personenbezogenen Daten der Videokonferenzteilnehmer an. Dieses ist nur mit einer Information über die Datenverarbeitung nach Art. 12 DS-GVO möglich und einer Einwilligung, die gegenüber der Schulleitung abgegeben wird.

Diese Vorlage ist für Schüler gedacht, die ohne ein eigenes Nutzerkonto an Videokonferenzen der Schule teilnehmen.

Diese Vorlage ist für Lehrkräfte gedacht, die gegebenenfalls auch ein Nutzerkonto erhalten, um Videokonferenzen leiten zu können.

Beide Vorlagen lassen sich leicht auch auf andere Plattformen anpassen. Dabei muss nur darauf geachtet werden, dass bei den Informationen zur Datenverarbeitung alle funktionsbedingten Datenverarbeitungen mit berücksichtigt werden. Beispiel: die Plattform erlaubt Umfragen und diese werden genutzt.

Sollen Videokonferenzen mit Eltern durchgeführt werden, empfiehlt es sich, aus der Vorlage für Schüler eine entsprechende Version zu erstellen.

Bitte achten Sie auch darauf, die Nutzung Ihrer Videokonferenz Plattform durch mit den Teilnehmern und Gastgebern vereinbarte Nutzungsregeln abzusichern.

Wichtig! Die Vorlagen gehen davon aus,

  • dass die von der Schule genutzte BigBlueButton Instanz so konfiguriert betrieben wird, dass nur die personenbezogenen Daten verarbeitet werden, die zum Betrieb tatsächlich erforderlich sind, und
  • die Nutzung per Voreinstellungen auf größtmögliche Sicherheit ausgelegt ist.1Einige Hinweise dazu gibt es unter BigBlueButton – Datenschutz Check

Weitere Informationen zu BigBlueButton und Videokonferenzen in Schule

Videokonferenzen – eine Plattform auswählen

Lesezeit: 6 Minuten

Ein Ende des Fernunterrichts ist nicht in Sicht. Nur wenige Bundesländer können ihren Schulen bereits auf Landesebene zeitnah Videokonferenz Lösungen anbieten. Viele Schulen stehen deshalb aktuell vor der Frage, welche Plattform man dauerhaft nutzen kann und zwar so, dass die jeweiligen schul- und datenschutzrechtlichen Vorgaben des Bundeslandes eingehalten korrekt umgesetzt werden können. Bei der Auswahl  einer Videokonferenzplattform hängt viel davon ab, welche Möglichkeiten eine Schule in Hinsicht auf die Gegebenheiten vor Ort hat. Das meint sowohl die kommunalen Strukturen wie auch die finanziellen Mittel. Im Folgenden geht es um Alternativen, die auf Videokonferenz Plattformen setzen, die als Plattform bereits durch Transparenz sehr datenschutzfreundlich genutzt werden können – die beiden Open Source Plattformen BigBlueButton und Jitsi.1Es wird darüber hinaus noch eine Alternative benannt, welche keine der beiden Plattformen nutzt, aber durch andere Merkmale sehr datenschutzfreundlich ist.

  1. Wenn der Schulträger, die Stadt oder der Kreis bereit sind, eine Instanz für eine Schule oder die Schulen in der eigenen Zuständigkeit einzurichten, dann empfehlen sich die beiden Open Source Plattformen Jitsi und BigBlueButton. Beide sind kostenlos erhältlich. Es braucht lediglich Server, auf denen die Videokonferenz Plattform betrieben wird. Beide Plattformen sind einfach zu nutzen, mit der richtigen Konfiguration sehr sicher und arbeiten datensparsam. Auch beim Zugriff von zu Hause aus braucht man sich keine Gedanken machen, dass hier irgendwelche Daten abgegriffen werden. Jitsi kommt komplett ohne Nutzerkonten aus, während bei BigBlueButton für die Lehrkräfte Nutzerkonten eingerichtet werden. Beide Plattformen lassen sich komplett über Browser nutzen. Im Internet findet man zu beiden Plattformen viele gute Anleitungen, wie man sie richtig und sicher nutzt.
  2. Wenn man von offizieller Seite nicht bereit ist, selbst eine Videokonferenz Plattform einzurichten und zu betreiben, kann man auf die Dienste von Anbietern zurückgreifen. BigBlueButton kann man auch bei verschiedenen Anbietern als Paket erhalten. Man sucht da einfach nach BigBlueButton + Hosting und findet dann entsprechend Anbieter. Das in der Regel separat angebotene Paket Greenlight ist ein Modul, mit welchem Nutzer Räume einrichten und verwalten können. Vergleichbar gibt es auch Anbieter, die Jitsi Server bereitstellen. Bei Videokonferenzen, das muss man bei der Auswahl eines Angebotes beachten, sind die Server ziemlich gefordert. Will man viele Personen zugleich in einer Videokonferenz haben oder in mehreren parallelen Videokonferenzen, braucht es Serverleistung. Man kann sich aber behelfen, um die Kosten zu reduzieren, wenn man a) die Teilnehmer (Schüler) nur dann per Video zuschaltet, wenn dieses auch Sinn macht, und b) einen Zeitplan erstellt, welche Lerngruppe die Videokonferenz Plattform an welchem Tag zu  welcher Zeit nutzen darf. So verteilt sich die Last und man benötigt weniger Serverleistung.
  3. Alternativ zur zweiten Möglichkeit kann man sich nach einer Plattform umschauen, welche ein Videokonferenz Modul integriert hat oder als zusätzliches Modul anbietet. Das wären z.B. der Schulserver iServ (BigBlueButton), die Schul-Kommunikations App DieSchulApp (BigBlueButton) und die noch recht neue auf NextCloud aufbauende Schul Cloud Plattform Vicole (BigBlueButton). Die Schulnachrichten Plattform SchoolFox aus Österreich integriert eine andere Videokonferenz Plattform (Eyeson, ebenfalls aus Österreich). Die Videokonferenz Plattform Eyeson kann auch separat über den Anbieter direkt genutzt werden. Auch Moodle Anbieter können unter Umständen eine BigBlueButton oder Jitsi Instanz integrieren, da das LMS die technischen Möglichkeiten dafür mitbringt. Teckids e.V. bietet im Rahmen seines schul-frei-Projektes Schulen gegen Aufwandsentschädigung (kostendeckend) den Betrieb eigener Plattformen (BigBlueButton, Jitsi, wahlweise mit Moodle) an2Anfragen dazu bitte an schulsupport@teckids.org. BigBlueButton lässt sich außerdem in eine datenschutzfreundliche NextCloud3Es gibt über 200 NextCloud Anbieter, siehe z.B. https://nextcloud.com/de/partners/. EduDocs ist ein Beispiel für einen Anbieter. über die NextCloud Talk App integrieren.
  4. Eine weitere Alternative wäre, man kennt eine befreundete Firma, einen Verein oder eine Universität, die einen BigBlueButton oder Jitsi Server betreiben und der Schule eine Nutzung ermöglichen. Kennt man den Anbieter und kann diesem vertrauen, bestehen keine Risiken für Schüler und Lehrkräfte. Für Schulen ist es aus rechtlicher Sicht am besten, wenn sie vom Anbieter eine Vertrag zur Auftragsverarbeitung erhalten. Das wird bei diesen als Freundschaftsdienst bereitgestellten Videokonferenz Servern aber meist nicht möglich sein, da die Anbieter sich die damit einhergehenden rechtlichen Verpflichtungen nicht auferlegen wollen, wenn sie es schon für umsonst machen. Eine Ausnahme bildet hier Teckids e.V., die auch bei Nutzung ihrer offenen Instanzen von BigBlueButton und Jitsi, einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung, anbieten.4Anfragen dazu bitte an schulsupport@teckids.org. Senfcall ist das BigBlueButton Projekt einer Guppe von Studierenden in Darmstadt und Karlsruhe, welches offen für jedermann nutzbar ist.5Die Datenschutzerklärung ist sehr gut gemacht und gibt ausführlichere Informationen über die Datenverarbeitung beim DS-GVO konformen auf Datensparsamkeit ausgelegten Betrieb von BigBlueButton Ohne Vertrag zur Auftragsverarbeitung kann man ein solches Angebot nur mit Zustimmung der Betroffenen nutzen. Einwilligung macht keinen Sinn, da die Schule ohne Vertrag zur Auftragsverarbeitung nicht in der Rolle als Verantwortlicher ist. Argumentiert man damit, dass bei der Nutzung eines solchen Angebotes eine Übermittlung von personenbezogenen Daten an Dritte erfolgt, könnte man dieses mit einer Einwilligung absichern. Manchen Schulen wird beides zu heikel sein, doch wenn der großzügige Anbieter vor Ort einen Namen hat und vielen Eltern ein Begriff ist und diese dem Angebot Vertrauen schenken, spricht nichts gegen eine Nutzung auf der Grundlage einer informierten Zustimmung.
  5. Die vorletzte Alternative wären die vielen offen zugänglichen Jitsi Server. Ähnlich wie bei Alternative 4 muss man hier schauen, wem man vertrauen kann. Das dürfte in der Regel jedoch vielfach nicht einfach sein. Auch wenn durch die meisten dieser Server (siehe https://github.com/jitsi/jitsi-meet/wiki/Jitsi-Meet-Instances) von Personen, Vereinen oder Institutionen betrieben werden, die keinerlei Interesse haben an den personenbezogenen Daten der Nutzer ihres Angebotes, geht man hier bei der Nutzung ein größeres Risiko ein als bei Alternative 4.
  6. Einige Schulen haben die technischen Möglichkeiten und im Kollegium die Kompetenz und Bereitschaft, einen eigenen Videokonferenz Server aufzusetzen und zu betreiben. Das geht durchaus, macht meist jedoch nur Sinn, wenn es an der Schule nicht um große Nutzerzahlen geht. Eine Schule mit 1.200 Schülerinnen und Schülern und einem Kollegium von über 100 Personen bräuchte mehr als einen einzelnen Server, um Videokonferenzen für möglichst viele Nutzer zeitgleich anbieten zu können. Bei all dem wäre extrem wichtig, dass die Kompetenz im Kollegium nicht nur ausreicht, eine BigBlueButton oder Jitsi Instanz aufzusetzen, sondern diese wie den Server selbst auch noch sicher zu konfigurieren. Schlecht konfigurierte Videokonferenz Server stellen ein Risiko für die Nutzer dar.

Die sechs aufgeführten Alternativen sind eingeordnet von beste Lösungen zu weniger günstigen Lösungen. Die Alternativen 1, 2 und 3 sind etwa gleichwertig. Alternative 4 ist eher eine Notlösung und 5 eine Not-Not-Lösung. Alternative 6 kann gleichwertig zu 1, 2 und 3 sein. Zu empfehlen ist diese Lösung Schulen in der Regel nicht, da Schulen hiermit eine Menge Verantwortung auf sich nehmen, und es auch die Ressource Mensch im Kollegium beansprucht. Es ist in der Regel nicht Aufgabe von Lehrkräften, Schul IT zu betreiben.

Ganz wichtig sind bei der Nutzung einer Videokonferenz Plattform die Themen Vertrag zur Auftragsverarbeitung, Information und Einwilligung.

  • Vertrag zur Auftragsverarbeitung
    • Bei 1, 2 und 3 gibt es den Vertrag zur Auftragsverarbeitung ohne Probleme. Die Schule ist rechtlich abgesichert.
    • Bei 4 könnte man eventuell mit Glück einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung bekommen. Meist wird das nicht der Fall sein. Aus rechtlicher Sicht ist das für Schulen ungünstig.
    • Bei 5 ist die Chance einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung zu erhalten nahe Null.
    • Bei 6 betreibt die Schule den Server selbst, kein Vertrag zur Auftragsverarbeitung erforderlich. Der schulische Admin sollte aber auf jeden Fall eine Vertraulichkeitsvereinbarung unterzeichnen.
  • Information
    • Die Nutzung einer Videokonferenz Plattform geht immer auch mit der Verarbeitung von personenbezogenen Daten einher. Das macht es erforderlich, vor der Nutzung die Betroffenen (Schüler, Lehrkräfte, Eltern) über die erforderliche Datenverarbeitung transparent zu informieren.
      • Wer ist verantwortlich?
        • Schulleitung
      • An wen kann man sich bei Fragen zum Datenschutz wenden?
        • Datenschutzbeauftragter
      • Auf welcher Rechtsgrundlage werden die personenbezogenen Daten verarbeitet?
        • Einwilligung
      • Zu welchen Zwecken sollen die personenbezogenen Daten verarbeitet werden?
        • Durchführung von Online Unterricht, individuelle Beratung, Online Elternsprechtag
      • Um welche personenbezogenen Daten geht es überhaupt?
        • Bild- und Tonaufnahmen der Betroffenen und ihrer Umgebung, Chatbeiträge, geteilte Dateien, (bei Nutzern mit Nutzerkonten, auch Anmeldedaten, Rollen und Rechte, Nutzungsdaten, technische Log-Dateien)
      • Wer ist von der Verarbeitung der personenbezogenen Daten betroffen?
        • Schüler, Lehrkräfte, Eltern, Schulsozialpädagogen, …
      • Wo werden die Daten verarbeitet? Wer hat Zugriff darauf?
        • beim Schulträger/ bei einem IT Dienstleister/ …
        • Zugriff haben Lehrkräfte, Mitschüler; Schulträger/ IT Dienstleister nur auf Weisung der Schulleitung
      • Wie lange werden die personenbezogenen Daten gespeichert?
        • keine dauerhafte Speicherung von Bild- und Tonauaufnahmen
        • Chat Protokolle und geteilte Dateien werden nach Ende der Videokonferenz gelöscht
        • [Nutzerkonten von Lehrkräften und damit zusammenhängende Daten werden nach Ende der Schulzugehörigkeit oder bei Widerruf der Einwilligung gelöscht]
      • Erfolgt eine Übermittlung von personenbezogenen Daten an Dritte?
        • Nein, bei Nutzung einer Videokonferenz Plattform mit Vertrag zur Auftragsverarbeitung
        • Ja, bei Nutzung einer öffentlich zugänglichen oder als Freundschaftsdienst zur Verfügung gestellten Videokonferenz Plattform ohne Vertrag zur Auftragsverarbeitung
      • Welches sind die Rechte der Betroffenen?
        • Widerruf der Einwilligung, Widerspruch in die Verarbeitung, Löschung, Berichtigung, Auskunft, Datenübertragbarkeit und Recht auf Beschwerde bei der zuständigen Aufsichtsbehörde.
  • Einwilligung
    • Die Einwilligung setzt, sofern das Schulgesetz keine Möglichkeit vorsieht, die Nutzung einer Plattform per Beschluss der Schulkonferenz verbindlich vorzuschreiben, eine Einwilligung der Betroffenen voraus.
    • Diese muss gegenüber der Schulleitung abgegeben werden.
    • Sie muss außerdem auf Freiwilligkeit gründen. Das heißt, es dürfen Schülern, Eltern und Lehrkräften keine Nachteile entstehen, wenn sie eine Einwilligung verweigern. Das setzt Alternativen voraus, die zumindest annähernd gleichwertig sind. Alternativen könnten sein,
      • die Teilnahme ohne Bild,
      • eine Teilnahme über Einwahl per Telefon (wenn die Plattform dieses zulässt)
      • Kontaktaufnahme der Lehrkraft zu Schülern/ Eltern per Telefon

Vorlagen für Einwilligungen für Schüler und Lehrkräfte für BigBlueButton gibt es unter Einwilligung – Vorlagen für BigBlueButton

Weitere Informationen zum Thema Videokonferenz Plattformen in Schule finden sich unter Videokonferenzplattformen in Schule nutzen. Nähere Informationen zu den beiden Open Source Videokonferenz Plattformen finden sich als Datenschutz Check unter BigBlueButton und Jitsi.

Stand 05/2020

BigBlueButton – Videokonferenzen

Lesezeit: 6 Minuten

Über BigBlueButton wird spätestens seit der Schulschließung durch Corona viel geredet. Die Open Source Videokonferenz Plattform weckt neben Jitsi1siehe dazu den Datenschutz Check – Jitsi – Videokonferenzen als eine der zweifelsfrei datenschutzfreundlichen Alternativen das Interesse vieler Schulen. BigBlueButton ist in seinen Funktionen einem Zoom näher als Jitsi. Wie bei jeder Videoplattform bergen mehr Funktionen aber auch mehr potentielle Risiken. Bei BigBlueButton können über eine sachkundige, auf Sicherheit und Datensparsamkeit ausgelegt Konfiguration viele mögliche Probleme von vornherein vermieden werden.

Hinter BigBlueButton steht eine kanadische Firma gleichen Namens, die ihre Plattform selbst als eine Internet-Konferenz-Plattform für Online Lernen 2„web conferencing system for online learning“ beschreibt. Der Code für die Videokonferenz Plattform ist offen verfügbar auf Github.

Anders als bei Jitsi gibt es so gut wie keine offen zugänglichen BigBlueButton  Server. Das könnte unter anderem daran liegen, dass die Plattform auf Server-Seite sehr leistungshungrig ist, wenn eine größere Anzahl von Teilnehmern an einer Videokonferenz teilnehmen möchte. In Deutschland und Europa bieten einige Hoster BigBlueButton Pakete an. Außerdem haben einige Anbieter von Plattformen für Schulen3z.B. Vicole, iServ und Schul-Apps4z.B. DieSchulApp BigBlueButton in ihr Produkt integriert. NextCloud bietet über ein App eine Möglichkeit, BigBlueButton direkt in NextCloud Talk zu integrieren. BigBlueButton kann außerdem integriert werden in Drupal, Moodle und WordPress.

Für Schulen, die keine der genannten Plattformen oder Apps nutzen und BigBlueButton zubuchen können, besteht die beste Lösung darin, den Schulträger zu überzeugen, eine BigBlueButton Instanz für seine Schulen einzurichten bzw. bei einem beauftragten IT Dienstleister einrichten zu lassen. Mit dem Schulträger oder IT Dienstleister ist dann ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung abzuschließen.

BigBlueButton setzt die Erstellung von Nutzerkonten für Lehrkräfte voraus, da es nur registrierten Nutzern möglich ist, Räume für Meetings zu eröffnen. Schüler können als Teilnehmer ohne Anmeldung einem Meeting beitreten.

BigBlueButton, Dienste Dritter und Sicherheit

Wie bei jeder im Internet gehosteten Plattform hängt die Sicherheit vom genutzten Server und der Konfiguration der Plattform selbst ab. Da BigBlueButton recht viele Funktionen hat, hängt die Sicherheit gerade im Umfeld Schule auch davon ab, welche Funktionen in welcher Form zugelassen werden. Dazu gehört beispielsweise die Deaktivierung der Funktion zur Aufzeichnung von Videokonferenzen und die Deaktivierung der Kameras aller Teilnehmer per Voreinstellung.5Sie können dann von der Lehrkraft während des Unterrichts freigegeben werden. Schüler müssen die Kamera dann auf ihrer Seite noch einmal aktivieren. BigBlueButton wird oft mit einer Greenlight Instanz zusammen betrieben. Greenlight ist eine Open Source Anwendung der gleichen Firma, die eine einfache Schnittstelle für Benutzer bietet, um Räume zu erstellen, Besprechungen zu starten und Aufzeichnungen zu verwalten. Neben dem Login über Greenlight selbst, wird aktuell SOO über Google OAuth2, Office365 OAuth2 und LDAP unterstützt. Aus Sicherheitsgründen sollte so beispielsweise die Selbstregistrierung von Nutzern deaktiviert und Lehrkräfte über den Administrator angelegt werden. Bei der Auswahl eines Servers für den Betrieb einer BigBlueButton Instanz sollten, falls die Einrichtung nicht durch den Schulträger oder beauftragten IT Dienstleister erfolgt, deutsche oder europäische Anbieter mit Serverstandorten in der EU bevorzugt werden. Es ist zum Betrieb einer BigBlueButton nicht erforderlich, zusätzliche Dienste Dritter, etwa eines Google STUN Servers, in Anspruch zu nehmen. Alle erforderlichen Komponenten können im Installationsprozess halbautomatisch aus weitere Open Source Paketen mit installiert werden. Bei der Koppelung von BigBlueButton mit Schulservern oder Schul-Apps sollte darauf geachtet werden, dass das Rechte- und Rollenkonzept, Schülern innerhalb BigBlueButton nur die Rechte gibt, die sie zur Teilnahme an einer Videokonferenz tatsächlich benötigen.

Problem – Aufzeichnung von Videokonferenzen

BigBlueButton zeichnet in Videokonferenzräumen, in denen die Aufnahmefunktion nicht deaktiviert wurde, im Hintergrund die komplette Videokonferenz in Form einer RAW Datei auf. Aus dieser wird, wenn die Aufnahmefunktion im Laufe der Videokonferenz genutzt wird, im Anschluss eine Datei erzeugt, die für Veröffentlichungen geeignet ist. Sobald die Aufnahmefunktion im Laufe einer Videokonferenz aktiviert wird, wird die RAW Datei dauerhaft gespeichert. Wird die Aufnahmefunktion nicht genutzt, bleibt die RAW Datei für zwei Wochen gespeichert und wird dann automatisch gelöscht. Es sollte aus Sicherheitsgründen in BigBlueButton oder Greenlight die Aufnahmefunktion grundsätzlich für Meeting Räume deaktiviert werden. Außerdem sollte die in den Informationen zur Datenverarbeitung bei BigBlueButton (engl. Sprache) beschriebene Möglichkeit genutzt werden, die aufgezeichnete RAW Datei, unmittelbar nach Ende der Videokonferenz automatisch zu löschen. Dazu muss die Konfiguration angepasst werden.6siehe dazu https://docs.bigbluebutton.org/admin/privacy.html#bigbluebutton-stores-full-raw-recording-data So kann zwar nicht verhindert werden, dass die RAW Datei ensteht, wenn versehentlich ein Meeting Raum erstellt wurde, bei dem die Aufnahmefunktion verfügbar ist, sie wird jedoch direkt im Anschluss an die Videokonferenz wieder gelöscht.

Grundsätzlich sollten Meeting Räume für Videokonferenzen in BigBlueButton immer mit deaktivierter Aufnahmefunktion erstellt werden, da nur so sichergestellt werden kann, dass im Hintergrund keine automatische Aufzeichnung und Speicherung durch das System erfolgt.

Rechtsgrundlage der Nutzung

Vertrag zur Auftragsverarbeitung

Die Nutzung einer BigBlueButton Instanz sollte immer mit einem Vertrag zur Auftragsverarbeitung abgesichert werden, um der Schule die für sie erforderliche Kontrolle über die Verarbeitung der personenbezogenen Daten von Schülern und Lehrkräften zu geben. Wer mit wem den Vertrag abschließt, hängt vom Setting ab.

Beispiel

Der Schulträger beauftragt einen Hoster, BigBlueButton für seine Schulen zur Verfügung zu stellen. Mehrere Schulen erhalten Nutzerkonten in der gemeinsam genutzten BigBlueButton Instanz. Die Schulen können mit dem Hoster in den seltensten Fällen selbst einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung abschließen, da Hoster diese Verträge in der Regel nur mit dem Auftraggeber abschließen. Das ist der Schulträger. Demnach müssten die Schulen einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung mit dem Schulträger abschließen bzw. den bereits bestehenden erweitern. In diesem Vertrag ist der Hoster dann als Unterauftragnehmer aufgeführt.7Prinzipiell wäre denkbar, dass die Schulen gemäß Art. 26 DS-GVO dem Hoster gegenüber als gemeinsam Verantwortliche auftreten. Sie würden dann entsprechend Verträge zur Auftragsverarbeitung abschließen. Im Schulgesetz NRW ist eine solche Konstellation bisher jedoch noch nicht berücksichtigt. Es steht zu vermuten, dass dieses auch auf andere Bundesländer zutrifft.

Öffentliche Instanzen

Es gibt einige wenige frei nutzbare BigBlueButton Instanzen. Eine Nutzung sollte hier mit Schülerinnen und Schülern allenfalls zu Testzwecken erfolgen. Ohne einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung bewegt man sich bei der Nutzung dieser öffentlichen Instanzen je nach Bundesland irgendwo im einem Bereich zwischen Grauzone und Rechtsverstoß. Das gilt auch dann, wenn eine benachbarte Universität oder der Schule bekannte Firma einen kostenlosen Zugang zu einer BigBlueButton Instanz zur Verfügung stellt. Wenn so eine Angebot absolut vertrauenswürdig ist und die Instanz sicher konfiguriert betrieben wird und dadurch für Schüler und Lehrkräfte absolut keine Risiken entstehen, ändert das nichts an der Tatsache, dass die Nutzung für eine Schule ohne Vertrag zur Auftragsverarbeitung aus rechtlicher Sicht problematisch ist. Gibt’s vom Anbieter auf für umsonst einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung, dann ist alles OK.

Zustimmung/ Einwilligung

Nutzt die Schule eine BigBlueButton Instanz, die entweder von ihr selbst betrieben ist oder abgesichert durch einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung vom Schulträger,  einem beauftragten IT Dienstleister, einem Schulserver Anbieter oder einer Schul-App bereitgestellt wird, setzt die Teilnahme an einer Videokonferenz die informierte und freiwillige Einwilligung der Betroffenen voraus. Da für die Nutzung durch Lehrkräfte Konten erforderlich sind, müssen dort, anders als bei den Schülern, auch Daten zur Erstellung und Nutzung eines Kontos berücksichtigt werden.

Bei Nutzung einer öffentlichen BigBlueButton Instanz bliebe nur eine Nutzung mit informierter Zustimmung. Für schulische Zwecke ist diese Lösung nicht unbedingt ideal.

Vorlagen für Einwilligung und Informationen über Datenverarbeitung

Vorlagen für das Einholen einer Einwilligung bei den Nutzern einer  BigBlueButton Instanz, differenziert nach Lehrkräften (mit Nutzerkonto) und Schülern, finden sich unter – Einwilligung – Vorlagen für BigBlueButton.

Abschließende Bewertung

Diese Bewertungen gehen von der Nutzung einer BigBlueButton Instanz aus, die auf ein Maximum an Sicherheit und ein Minimum an erforderlichen Daten der Nutzer hin konfiguriert ist. Sie geht auch davon aus, dass auf dem Server, auf welchem sie betrieben wird, keine weitere Software installiert ist, die Dritten Zugriff auf und Analyse von Nutzerdaten ermöglicht.

Nutzung mit Vertrag zur Auftragsverarbeitung

Betrieben durch den Schulträger, einen IT Dienstleister oder im Rahmen eines von der Schule genutzten Schulservers oder einer Schul-App kann BigBlueButton aus Sicht des Datenschutz ohne Risiken genutzt werden, die von der Technik der Plattform selbst ausgehen.

Nutzung auf privaten Endgeräten/ von zu Hause aus

Bei einer Nutzung von BigBlueButton entstehen für Gastgeber und Teilnehmer auch bei einer Nutzung auf privaten Endgeräten und von außerhalb der Schule keine Risiken, die von der Technik selbst ausgehen.

Empfehlung

Die Nutzung von BigBlueButton kann im schulischen Kontext aus Sicht des Datenschutz nur empfohlen werden. Der Betrieb einer BigBlueButton Instanz durch Lehrkräfte in der Schule ist möglich, setzt jedoch voraus, dass diese Personen sich auskennen. Mit schlechter Konfiguration kann auch BigBlueButton ein Sicherheitsrisiko darstellen. Die Mehrheit der Schulen ist am besten beraten, wenn sie eine BigBlueButton Instanz nutzen kann, die durch den Schulträger oder einen IT Dienstleister auf der Grundlage eines Vertrag zur Auftragsverarbeitung bereitgestellt wird. Wer bereits einen Schulserver nutzt oder eine Schul-App, bei der man BigBlueButton zusätzlich buchen kann, sollte diese Möglichkeit nutzen.

Hinweise zu Optionen für eine datenschutzkonforme Konfiguration finden sich unter anderem unter Documentation for GDPR compliant setup (GitHub).

Tipps zur Nutzung

Da BigBlueButton bei vielen Bildungsinstitutionen sehr beliebt ist, findet man mit einer Internetsuche eine große Zahl aktueller Anleitungen zur Nutzung. Wie bei allen Videokonferenz Plattformen kommt es darauf an, mit welchen Einstellungen gearbeitet wird. Räume sollten mit einem Kennwort geschützt werden. Screensharing sollte deaktiviert sein, denn auch BigBlueButton-Bombing ist möglich.

Weiter lesen

BigBlueButton – Mein Favorit, eine Beitrag von Andreas Engl in seinem Blog Engelszungen, in welchem er die Möglichkeiten der Plattform beschreibt.

Stand 05/2020

Download weitere Einwilligungen (NRW)

Lesezeit: 3 Minuten

Während es auf der Seite Einwilligungen Schule (NRW) vor allem um Einwilligungen geht, welche für die Mehrheit der Schulen relevant sind, finden sich auf dieser Seite verschiedene Beispiele anlassbezogener Einwilligungen. Suchen Sie sich einfach einen Anwendungsfall heraus, der Ihrem ähnlich ist und passen Sie diesen auf Ihre Bedürfnisse an.

Foto und Video anlassbezogen – Beispiel Zirkusprojekt

Eine Grundschule macht ein Zirkusprojekt, auf welchem Fotos und Videos angefertigt werden sollen. Die Videos sollen als DVD an Familienmitglieder und Freunde der Schule verkauft, geeignete Fotos für die Schulhomepage und Pressearbeit genutzt werden.

Videoaufnahmen für einen Imagefilm der Schule

Um die Schule nach außen darzustellen, denken viele Schulen daran, einen Imagefilm zu erstellen. Dafür sollen im Unterricht, in Projekten, den Pausen, in der Mensa, auf Fahrten und ähnlich Aufnahmen angefertigt werden. Der fertige Film soll dann auf der Homepage eingestellt werden, meist über eine Videoplattform, um die Streaming Qualität zu gewährleisten.

Erklärfilme im Unterricht erstellen

Möchte man im Unterricht Erklärvideos erstellen, so kann dieses durchaus ohne die Verarbeitung von personenbezogenen Daten erfolgen, beschränkt sich dann jedoch auf Videos ohne Stimme und mögliche Demonstrationen am Objekt. Für die Erstellung von Erklärvideos, in welchen Schülerinnen und Schüler mit ihrer Stimme und erkennbar im Bild  erscheinen, braucht es eine entsprechende Einwilligung. Auch die Verwendung des Namens im Abspann und eine geplante Veröffentlichung sind zu berücksichtigen. Diese Vorlage besteht aus drei anpassbaren Mustern und Hinweisen zur Nutzung.

Fotografien für ein Jahrbuch

Um ein Jahrbuch erstellen zu können, braucht es in der Regel Fotos der Personen in der Schule, Name und Klassenzugehörigkeit oder Funktion. Betroffen sind Schüler, Lehrkräfte, oft auch Mitarbeiter der Schulverwaltung, Hausmeister und andere in der Schule tätige Personen. Da die Schule datenverarbeitende Stelle ist, müssen alle diese Personen ihre Einwilligung der Schule gegenüber abgeben, auch wenn ihr Dienstherr beispielsweise der Schulträger ist oder eine Firma.

Notfallinformationen für eine Klassenfahrt einholen

Gerade bei längeren Klassenfahrten ist es sinnvoll, dass die begleitenden Lehrkräfte über aktuelle Notfallinformationen der Schüler verfügt. Mit dieser Vorlage können sie eingeholt werden.

Deutschlernplattform DeutschFuchs

DeutschFuchs ist ein Angebot für den DAF/DAZ Unterricht mit älteren Schülerinnen und Schüler. Zur Nutzung der Online-Plattform müssen Nutzerkonten für Schüler und Lehrkräfte angelegt werden und es braucht entsprechende Einwilligungen.1Bei der Nutzung außerhalb von Schule in einem Deutschlernkurs kann es möglich sein, dass eine Einwilligung nicht erforderlich ist, wenn es sich um ein bezahltes Angebot handelt und die Nutzung im Rahmen des Vertrags mit dem Kurs erfolgt. Die Informationen zur Datenverarbeitung braucht es dann jedoch auch. Als Rechtsgrundlage würde man statt Einwilligung (Art. 6 Abs. 1 lit. a DS-GVO) dann Erfüllung eines Vertrags (Art. 6 Abs. 1 lit. b DS-GVO) eintragen.

Lern-App Anton für die Schule

Anton ist eine Online Plattform, die über Browser und App genutzt werden kann. Neben der individuellen Nutzung ist eine Nutzung über ein Schulkonto möglich. Dazu braucht es eine Einwilligung der Erziehungsberechtigten. Eine Besonderheit der App ist, dass das Konto auf Wunsch der Nutzer jederzeit in ein privates Konto umgewandelt werden kann. Außerdem ist die Mitnahme des Kontos an eine andere Schule möglich. Die Informationen zur Datenverarbeitung zur Einwilligung berücksichtigen dieses. Da das App Lernangebote sowohl für Grundschule wie auch die Sekundarstufe bis Klasse 10 macht, sind alternative Formulierungen für den letzten Teil der Informationen zur Datenverarbeitung vorbereitet. Auch vorbereitet ist das Einholen der Einwilligung per E-Mail.

BigBlueButton Videokonferenzen

Die Open Source Videokonferenz ist in den Funktionen ähnlich zu Zoom, kann aber selbst betrieben oder durch einen beauftragten Dienstleister betrieben werden. Aus Sicht des Datenschutz hat das durchaus Vorteile. BigBlueButton ist außerdem im Paket mit einigen bereits bestehenden Schulplattformen zu haben. Zwei Vorlagen für Einwilligungen, die benötigt werden, wenn die Schule BigBlueButton selbst oder mit Vertrag zur Auftragsverarbeitung betreibt. Weitere Infos zur Plattform und zu den Vorlagen.

 

Zoom Videokonferenzen

In Zeiten von Schulschließungen oder bei der Betreuung kranker Schüler kann eine Plattform für Videokonferenzen nützlich sein. Sehr verbreitet und beliebt ist Zoom. Mit kostenpflichtigen Konten ist auch ein datenschutzrechtlicher Vertrag mit dem Anbieter möglich3Das ist das sogenannte Data Processing Addendum, welches die EU Standard Vertragsklausen enthält. Dieses wird nach Informationen des Fachanwalts Stefan Hansen-Oest automatisch mit der Registrierung eines Accounts abgeschlossen. Es ist damit seit April 2020 nicht länger nötig, das Dokument von Hand auszufüllen und per E-Mail an den Anbieter zu senden.. Mit Schulkonten zur Nutzung für die Lehrkräfte macht es Sinn, von den Schülern bzw. Eltern eine Einwilligung zur Nutzung einzuholen, auch wenn die Teilnahme ohne Nutzerkonten auf Seiten der Schüler erfolgen kann.

Video Streaming – Schulabschlussfeier

In Zeiten von Corona planen viele Schulen, die feierliche Überreichung der Abschlusszeugnisse per Video zu streamen, so dass auch die Eltern und andere Familienangehörige aus der Ferne daran teilhaben können. Aus einer Nicht-Einwilligung dürfen Schülern keine Nachteile entstehen. Je nach Situation ist das eventuell nicht zu gewährleisten. Dann muss auf eine Videoübertragung verzichtet werden. In der Regel sollte es aber möglich sein, einen Bereich auf der Bühne oder ähnlich von der Aufnahme ausnehmen zu können. Dort könnten sich dann Schüler aufhalten, die nicht im Video Stream zu sehen sein möchten.