Notenkonferenzen per Videokonferenz?

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In einem Schreiben an die Bezirksregierungen vom 15.01.2021 zur Weiterleitung an die Schulen macht das MSB auch Aussagen zur Erteilung der Halbjahreszeugnisse im Schuljahr 2020/21 und Anmeldung an den weiterführenden Schulen für das Schuljahr 2021/22.1 Vergleichbare Informationen gibt es auch aus einer Veröffentlichung auf der Website des Schulministeriums vom 18.01.2021.

Dazu gehört auch das Thema Zeugniskonferenzen. Bei den Aussagen hierzu sticht ein Satz hervor.

1. Zeugniskonferenzen und vorbereitende Dienstgeschäfte in den Schulen werden nicht von den Einschränkungen des § 1 Absatz 11 Corona- BetrVO erfasst und sind daher – unter Beachtung der erforderlichen Hygienemaßnahmen – zulässig. Es wird empfohlen, alternative Formen der Durchführung von Konferenzen zu prüfen.

Das MSB empfiehlt, auch wenn es möglich ist, die Schule für Zeugniskonferenzen und vorbereitende Dienstgeschäfte zu betreten, alternative Formen der Durchführung von Konferenzen. Es liegt nahe, dass damit Audio- und Videokonferenzen gemeint sind. Bei den Empfängern entstanden genau an dieser Stelle viele Fragen bezüglich des Datenschutzes. Das Ministerium sah sich dadurch veranlasst, sich noch einmal konkreter zu den datenschutzrechtlichen Aspekten von Notenkonferenzen zu äußern.

1. Teilnahme von Lehrkräften:
Grundsätzlich ist für Video-/Tonaufnahmen eine Einwilligung erforderlich, da Videoaufnahmen in der VO DV II nicht ausdrücklich erlaubt/geregelt sind.
Hier ist aber eine ergänzende Hinzuziehung von § 3 DSG zulässig (§ 122 Absatz 1 Satz 3 SchulG), da es sich um einen „ungeregelten Fall“ handelt, in dem ein Rückgriff auf das allgemeine Datenschutzrecht möglich ist.

Damit ist auf Grund von § 3 DSG bei bestehendem dringendem dienstlichem Bedürfnis in Pandemiezeiten die Teilnahme an einer Videokonferenz mit dem Datenschutz vereinbar.

2. Notendiskussion im Videostream: Zeugnisnoten sind personenbezogene Schülerdaten, die zulässigerweise von Schulen nach § 120 Abs. 1 SchulG und der VO DV I verarbeitet werden dürfen. Danach sind diverse Verarbeitungsformen (mündlich/schriftlich, analog/digital) zulässig. Maßgeblich ist, dass durch informationstechnische und organisatorische Maßnahmen, z.B. Wahl eines insofern geeigneten Videotools, der Schutz der Daten sichergestellt ist.

Wie einer meiner Kollege auf Nachfrage beim MSB erfuhr, ging man beim Verfassen der Ergänzung zum Erlass vom Vorhandensein von Dienstgeräten bei den Lehrkräften aus. Das ist in sofern von Bedeutung, da die Schulleitung nicht über die privaten Endgeräte der Lehrkräfte verfügen kann.

Wie sind diese Aussagen nun zu verstehen?

Für Audio- und Videokonferenzen gibt es in der VO-DV II bisher keine spezifischen Regelungen, die solche auf der Grundlage des Schulgesetzes NRW zulassen oder ausdrücklich eine Einwilligung voraussetzen. Dieses hatte auch die LDI NRW im Mai 2020 in der Schrift Pandemie und Schule ähnlich beschrieben. In der Praxis orientiert man sich stattdessen an den Vorgaben zu Video-/Tonaufnahmen, für die eine Einwilligung erforderlich ist. Siehe hierzu auch den Beitrag Distanzunterricht – rechtliche Vorgaben und Möglichkeiten. Wie die LDI NRW, die in der besonderen Ausnahme von Schulschließungen durch Covid19 eine Möglichkeit sieht, die fehlenden Regelungen, die weder eine ausdrückliche Erlaubnis noch ein Verbot bedeuten, sieht man im MSB deshalb aktuell die Möglichkeit, Zeugniskonferenzen auf §122 Abs. 1 Satz 3 des Schulgesetzes zu stützen. Dieser lautet.

Ergänzend gelten die allgemeinen datenschutzrechtlichen Vorschriften.

Im Schulgesetz NRW, so wird mit diesem Satz noch einmal ausdrücklich bestimmt, finden die allgemeinen datenschutzrechtlichen Vorschriften aus dem DSG NRW und der DS-GVO Anwendung, soweit sich in §120 und §121 keine bereichsspezifischen Datenschutzregelungen finden. In Verbindung mit §3 DSG NRW ist es dann nach Aussagen des MSB, „bei bestehendem dringendem dienstlichem Bedürfnis in Pandemiezeiten die Teilnahme an einer Videokonferenz mit dem Datenschutz vereinbar.“

§ 3
Zulässigkeit der Verarbeitung personenbezogener Daten

(1) Soweit spezialgesetzliche Regelungen nicht vorgehen, ist die Verarbeitung personenbezogener Daten durch öffentliche Stellen zulässig, wenn sie für die Wahrnehmung einer im öffentlichen Interesse liegenden Aufgabe der verarbeitenden Stellen erforderlich ist oder wenn sie in Ausübung öffentlicher Gewalt erfolgt, die dem Verantwortlichen übertragen wurde.

Die Verarbeitung von personenbezogenen Daten zur Teilnahme an Videokonferenzen durch die Schule erfolgt dann auf der Rechtsgrundlage von §3 DSG NRW in Kombination mit §122 Abs. 1 Satz 3 SchulG NRW.

Für die Schule entfällt damit die Erfordernis, von Lehrkräften eine Einwilligung zur Teilnahme an einer Videokonferenz einzuholen.

Die Teilnahme wird damit für Lehrkräfte verpflichtend. Wichtig ist dabei jedoch, dass sämtliche der folgende Bedingungen erfüllt sind:

  1. es gibt keine bereichsspezifische Regelung im SchulG NRW zu Videokonferenzen2, die Schulen die Verarbeitung von personenbezogenen Daten zur Durchführung von Videokonferenzen ausdrücklich erlaubt oder verbietet.und
  2. es besteht ein dringendes dienstliches Bedürfnis – und
  3. es herrschen Pandemiezeiten – und
  4. es werden die allgemeinen datenschutzrechtlichen Vorschriften eingehalten – und
  5. die Lehrkräfte verfügen über ein Dienstgerät.

Ist eine der genannten Bedingungen nicht erfüllt, besteht – zumindest aktuell – keine Möglichkeit, Lehrkräfte zur Teilnahme an einer Videokonferenz zu verpflichten. Von besonderer Bedeutung ist dabei Nr. 4, da sich hinter dieser Bedingung eine ganze Reihe von zu erfüllenden Kriterien verbergen.

Videokonferenz – Teilnahme per …

Besteht die Möglichkeit, Lehrkräfte zu einer Teilnahme an Videokonferenzen, wie oben beschrieben zu verpflichten, so ist dieses nicht automatisch mit einer Verpflichtung zur Teilnahme mit Videobild gleichzusetzen, es sei denn es lässt sich eine Erfordernis dazu begründen. In der Regel sollte es ausreichen, wenn Lehrkräfte an einer Videokonferenz ohne Bild teilnehmen, da es weder angemessen ist, darüber die Anwesenheit oder Aktivitäten der Teilnehmer zu kontrollieren, noch dass ihr Bild für Redebeiträge erforderlich wäre. Auch Abstimmungen benötigen kein Bild, da dieses auch über Chat, digitales Handzeigen oder Abstimmungstools möglich und, vor allem bei größerer Teilnehmerzahl, praktikabler ist.3Eine Erfordernis für eine Teilnahme per Videobild könnte sich jedoch daraus ergeben, wenn eine Plattform keine Möglichkeit bietet, die Teilnahme auf authentifizierte Teilnehmer zu beschränken. Dann wäre das Videobild die einzige Möglichkeit, einigermaßen sicher zu kontrollieren, dass nur berechtigte Personen an der Videokonferenz teilnehmen.

Informationen über Datenverarbeitung

Auch wenn die Nutzung einer Videokonferenz unter den beschriebenen Bedingungen keiner Einwilligung bedarf, so gehört zur Erfüllung der  „allgemeinen datenschutzrechtlichen Vorschriften“ die Information der Betroffenen über die Verarbeitung von personenbezogenen Daten gemäß Art. 13 DS-GVO.4Welche Daten werden auf welcher Rechtsgrundlage zu welchen Zwecken verarbeitet? Für welche Dauer werden sie verarbeitet, erfolgt eine Übermittlung an Dritte bzw. wer sind gegebenenfalls die Empfänger, und welche Rechte haben die Betroffenen?

Keine Aufzeichnungen

Es sollte jedem klar sein, dass die vom MSB beschriebene Möglichkeit zur Verarbeitung von personenbezogenen Daten von Lehrkräften zur Durchführung  Videokonferenzen mit verpflichtender Teilnahme nicht die Aufzeichnung von Videokonferenzen einschließt. Diese fallen unter die Vorgaben von §121 Abs. 1 Satz 25“ Bild- und Tonaufzeichnungen des Unterrichts oder sonstiger verbindlicher Schulveranstaltungen bedürfen der Einwilligung der betroffenen Personen.“ und sind einwilligungspflichtig. Darunter fallen auch Funktionen einiger Videokonferenzplattformen, die im Hintergrund Aufzeichnungen erstellen, um den Start einer Aufzeichnung durch den Gastgeber unmittelbar umsetzen zu können. Solche Funktionen müssen deaktiviert werden, wenn eine Teilnahme verpflichtend sein soll.

Sicherheit

Ein Aspekt, der auch mit Bezug auf Datenschutz Relevanz hat, ist das Thema Sicherheit, welches unter anderem in Nr. 2 der Erläuterung des MSB angesprochen wird. Das meint nicht nur eine eventuelle Verschlüsselung der Videokonferenz, die aktuell nur bei wenigen Plattformen möglich ist, sondern auch die Kontrolle des Zugangs. Man sollte bei Lehrkräften eigentlich sicher sein können, dass sie ihre Zugangsdaten zu einer Videokonferenz, in welcher es um Noten und Zeugnisse geht, nicht an Dritte weitergeben. Außerdem gibt es bei verschiedenen Plattformen Zugangskontrollen in Form von Warteräumen. Diese schützen jedoch nur begrenzt. Kann man die Teilnehmer nicht sehen, hat man keine hunderprozentige Gewähr, dass auch tatsächlich die berechtigte Person an der Videokonferenz teilnimmt. Dieses könnte man nur sicherstellen, wenn Teilnehmer sich vorher authentifizieren müssen. Das könnte über die Anbindung an eine andere von der Schule genutzte Plattform erfolgen. Einige Anbieter von Videokonferenzlösungen im Zusammenhang mit anderen Plattformen bieten diese Möglichkeit. Auch Moodle kann die Authentifizierung von Nutzern für die Teilnahme an Videokonferenzen übernehmen.

Welche Daten in welcher Plattform?

Vor allem bei der Nutzung der Plattformen von US Anbietern ist bisher immer klar gewesen, dass dabei bestimmte Arten von personenbezogenen Daten außen vor zu bleiben haben. Das ist in allen Bundesländern und sogar der Schweiz und Österreich so, wo der Einsatz von Office 365, G Suite for Education, Apple Classroom und ähnlich nicht grundsätzlich untersagt ist. Überall gilt, eine pädagogische Nutzung ist möglich, wenn dabei darauf geachtet wird, die Verwendung von personenbezogenen Daten auf ein Minimum zu reduzieren. Auch eine Nutzung zur Teamarbeit im Kollegium oder zur Bereitstellung von Dokumentvorlagen und Informationen aus der schulinternen Verwaltung ist möglich, solange dabei keine personenbezogenen Daten im Spiel sind. Nichts zu suchen haben in den Plattformen hingegen personenbezogene Daten im Zusammenhang mit pädagogischer Dokumentation und schulinterner Verwaltung. Bei Noten- und Zeugniskonferenzen geht es aber genau um diese personenbezogenen Daten.

Eine Verarbeitung von Zeugnisnoten über eine Videokonferenzplattform ist auf der Rechtsgrundlage des §120 Abs. 1 SchulG NRW und der VO-DV I möglich, wie im unter Nr. 2 in den Erläuterungen des MSB zum Erlass dargestellt. Es gilt dabei jedoch, wie ebenfalls dort dargestellt, „Maßgeblich ist, dass durch informationstechnische und organisatorische Maßnahmen, z.B. Wahl eines insofern geeigneten Videotools, der Schutz der Daten sichergestellt ist.

Eine Möglichkeit, Daten vor unberechtigtem Zugriff zu schützen, ist die Verschlüsselung. Derzeit unterstützen nur sehr wenige Plattformen eine echte Ende-zu-Ende Verschlüsselung von Videokonferenzen, da diese technisch sehr schwierig zu implementieren ist und mit dem Verlust von Funktionalität einhergeht.6Siehe dazu https://www.datenschutz-notizen.de/ende-zu-ende-verschluesselung-von-videokonferenzen-1825597/  von April 2020 Zoom gehört dazu und auch Jitsi.7Im Januar 2021 ist die Funktionalität der Ende-zu-Ende Verschlüsselung bei beiden Plattformen bereits nutzbar, jedoch noch in der Erprobung. MS Teams, Cisco Webex und Google Meet bieten zwar eine gewisse Verschlüsselung. Das Problem ist dabei jedoch, dass die Schlüssel dafür beim Anbieter liegen und dieser die Videokonferenzen damit problemlos entschlüsseln und dadurch Dritten zugänglich machen könnte oder dass die Videokonferenzen auf dem Server des Anbieters entschlüsselt werden, bevor sie verschlüsselt an die Teilnehmer gehen.

Damit wird auch dieser Sicherheitsaspekt zum Ausschlusskriterium für einige der gängigen Videokonferenz Plattformen.

Wie kann man sich hier behelfen?

Eine Möglichkeit, wie man Noten- und Zeugniskonferenzen auch ohne eine Ende-zu-Ende Verschlüsselung durchführen kann, besteht darin, dass man ohne die Namen der Schüler arbeitet. Alle Lehrkräfte haben Namenlisten mit einer eindeutigen Nummerierung/Kennung vorliegen. Es wird in der Videokonferenz dann nur über Nummern gesprochen, nicht über Namen. Für Dritte sind dann ohne einen unverhältnismäßig hohen Aufwand die Noten und Bemerkungen zu Noten und Zeugnisse, die im Laufe der Konferenz genannt werden, keiner identifizierbaren Person zuzuordnen.

Eine Frage der Plattform

Da durch die Möglichkeit, eine Verarbeitung von personenbezogenen Daten zur Durchführung von Videokonferenz auf der Grundlage von §3 DSG NRW nicht gleichzeitig alle anderen datenschutzrechtlichen Vorschriften außer Kraft gesetzt werden, kommt der Auswahl der Plattform durchaus eine Bedeutung zu.

(Vermutlich) nicht DS-GVO konform

Eine Plattform, bei der zweifelhaft ist, ob sie DS-GVO konform nutzbar ist, hält demnach die „allgemeinen datenschutzrechtlichen Vorschriften“ vermutlich nicht vollständig ein. Damit wäre eine der 4 Bedingungen nicht erfüllt und die Plattform könnte nicht genutzt werden, um Lehrkräfte zu einer Teilnahme an Videokonferenzen zu verpflichten. Die Zahl der Videokonferenz Plattformen, bei denen die DS-GVO Konformität angezweifelt wird, ist nicht klein.8Dazu gehören dürften dann auch Plattformen gehören, deren Nutzung vom MSB als „bedenklich“ eingestuft wird oder Plattformen, die auf der Liste der Berliner Aufsichtsbehörde schlecht davon gekommen sind. Es gibt Schulen und Schulträger, die Gutachten haben anfertigen lassen von Fachkanzleien, die den von ihnen genutzten Plattformen eine DS-GVO Konformität attestieren. Im Streitfall entscheiden hier letztlich die Gerichte, falls es an einer Schule soweit kommt.

Vertrag zur Auftragsverarbeitung

Um die allgemeinen datenschutzrechtlichen Vorschriften zu erfüllen, ist auch der Abschluss eines Vertrags zur Auftragsverarbeitung9Im nicht deutschsprachigen Raum meist als Data Processing Addendum oder Data Processing Agreement bezeichnet. gemäß Art. 28 DS-GVO mit dem Anbieter der Videokonferenz Plattform zwingend erforderlich. Eine Plattform, deren Anbieter diesen Vertrag nicht anbietet, scheidet für eine Durchführung von Noten- und Zeugniskonferenzen per Videokonferenz aus.

Einwilligung erforderlich

Einige Plattformen erfordern zur Aktivierung eines Nutzerkontos eine Einwilligung in die Verarbeitung von personenbezogenen Daten. Dazu gehören die drei Logineo NRW Plattformen und damit auch der Messenger, bei dem es seit kurzem das Modul Videokonferenz mit Jitsi gibt. Da eine Einwilligung immer nur freiwillig sein kann, um rechtswirksam zu sein, ist es damit nicht möglich, die Nutzung einer solchen Plattform verpflichtend vorzuschreiben. Solange bei Logineo NRW Messenger diese Erfordernis zur Einwilligung nicht technisch deaktiviert wird, ist eine verpflichtende Nutzung ausgeschlossen. Gleiches gilt für Plattformen mit vergleichbarem Vorgehen.10Hinweis: Die Kernaussage dieses Abschnitts bezieht sich nur auf die Einwilligung in die Verarbeitung von personenbezogenen Daten, nicht auf die Einwilligung oder Annahme einer Nutzungsvereinbarung.

Wo es möglich wäre

Auf den ersten Blick scheint es, dass eine verpflichtende Teilnahme an Videokonferenzen, wie oben beschrieben, mangels geeigneter Plattformen, welche die „allgemeinen datenschutzrechtlichen Vorschriften“ einhalten, gar nicht möglich ist. Aber es gibt Plattformen, mit denen sich die Vorgaben recht gut einhalten lassen. Dazu gehören BigBlueButton und Jitsi, wie sie von verschiedenen Unternehmen angeboten werden. Mehr zu den Plattformen im Datenschutz Check.11Dort sind beispielhaft auch einige Anbieter genannt. Je nach Anbieter können diese Videokonferenz Lösungen auch an andere Plattformen angedockt werden, die sich dann zur Authentifizierung nutzen lassen. Es gibt außerdem auch Plattformen und Apps, die Videokonferenzen als ein integriertes Modul anbieten. Solange zur Nutzung der Videokonferenz Lösungen, ob als Stand-alone Lösung oder als Bestandteil einer größeren Lösung keine Einwilligung in die Verarbeitung von personenbezogenen Daten erforderlich ist, und sie auch sonst den allgemeinen datenschutzrechtlichen Vorschriften entsprechen, ließen sich für eine Schule damit die zu Beginn beschriebenen Möglichkeiten umsetzen.

Bei einem vertrauenswürdigen Anbieter, der seine Videokonferenz Plattform mit Vertrag zur Auftragsverarbeitung in einem sicheren Serverzentrum betreibt und die Plattform sicher und datenschutzkonform konfiguriert hat, ist es vertretbar, wenn Videokonferenzen auch ohne eine echte Ende-zu-Ende Verschlüsselung durchgeführt werden. Bei Anbietern, die ihre Plattform auf der Basis von Jitsi betreiben und Ende-zu-Ende Verschlüsselung bereits implementiert haben, wäre es möglich, diese zu aktivieren.12Hinweis: Die Ende-zu-Ende Verschlüsselung wird aktuell nicht von allen Browsern unterstützt.

Fazit

Das MSB eröffnet Schulen für den Ausnahmefall der Pandemie die Möglichkeit, Videokonferenzen als Alternative zu Präsenztreffen zu nutzen, um bei bestehendem dringendem dienstlichem Bedürfnis zumindest mit Noten- und Zeugniskonferenzen durchzuführen. Dieses setzt jedoch voraus, dass dazu einige Bedingungen erfüllt werden. Neben der in Erlass und Erläuterungen unerwähnten aber vorausgesetzen Ausstattung der Lehrkräfte mit Dienstgeräten müssen auch die allgemeinen datenschutzrechtlichen Vorschriften eingehalten werden. Mit Blick auf die aktuell an Schulen genutzten Plattformen wird dann jedoch schnell deutlich, dass viele dieser Plattformen die erforderlichen Voraussetzungen nicht vollständig erfüllen werden. Schulen, die versuchen, eine verpflichtende Teilnahme mit diesen Plattformen mit Bezug auf den Erlass und die ergänzenden Erläuterungen des MSB bei ihren Lehrkräften durchzusetzen, laufen dabei Gefahr, gegen geltendes Recht zu verstoßen. Letzte Klärung wird in solchen Fällen dann, falls es soweit kommt, ein Verwaltungsgericht herbeiführen.

Für eine Übertragung auf andere Zusammenhänge, etwa gewöhnliche Lehrerkonferenzen, oder den Unterricht scheint diese vom MSB ausdrücklich unterstützte Ausnahmeregelung nicht geeignet. Siehe dazu auch Distanzunterricht – rechtliche Vorgaben und MöglichkeitenDistanzunterricht – rechtliche Vorgaben und Möglichkeiten und Teilnahme am Unterricht über Video – geht das?

 

Stand 01/2021

Lehrer fotografieren mit ihrem Smartphone in der Schule

Lesezeit: 3 Minuten

Im Zeitalter des Smartphones ist die beste Kamera die, welche man dabei hat. Das ist in der Regel das Smartphone. Digitale Kameras sind an Schulen zwar vorhanden, aber müssen erst ausgeliehen werden. Also Smartphone. Und deshalb kommt immer wieder die Frage auf, ob Lehrkräfte mit ihren Smartphones Aufnahmen von Schülern machen dürfen. Anlage 3 der VO-DV I listet abschließend eine Reihe von personenbezogenen Daten von Schülern und Erziehungsberechtigten, welche Lehrkräfte mit einem privaten Endgerät, für welches sie die Genehmigung der Schulleitung eingeholt haben, auf der Rechtsgrundlage des Schulgesetzes NRW verarbeiten dürfen. Fotos finden sich dort nicht aufgeführt. Im Genehmigungsvordruck ist die Auflistung aus Anlage 3 jedoch unter 3.3 erweitert um mögliche personenbezogene Daten, welche Lehrkräfte mit Genehmigung der Betroffenen auf ihren privaten Endgeräten verarbeiten dürfen.

3.3 Daten, die von Lehrer/innen auf Basis wirksamer Einverständniserklärungen verarbeitet werden dürfen

Darunter finden sich auch Fotos. Die Auflistung kann, wie die zur Genehmigung herausgegebene Handreichung erklärt, an jeder Schule unterschiedlich sein.

Es ist, und darum geht es hier, also problemlos möglich, dass Lehrkräfte mit ihren privaten Smartphones im Schulalltag Fotos von Schülerinnen und Schülern machen. Dieses setzt zunächst die Genehmigung der Schulleitung für die Nutzung des Smartphones zur Verarbeitung von personenbezogenen Daten aus der Schule voraus. Dazu braucht es dann noch die Einwilligung der Betroffenen.

Hinweise

  • Laut der Handreichung zur Genehmigung können Betroffene die Einwilligung auch gegenüber der jeweiligen Lehrkraft erklären.
    • „Unter Punkt 3.3 sind alle Daten aufgeführt, die eine Lehrkraft automatisiert auf privaten Endgeräten verarbeiten darf, wenn der oder die einzelne Betroffene ihr bzw. der Schule die Einwilligung zur Verarbeitung erteilt hat.“1Handreichung zur Genehmigung – abgerufen am 15.08.2020
  • Da Einwilligungen an der Schule sonst grundsätzlich gegenüber der Schulleitung abzugeben sind, empfiehlt es sich, auch hier vor allem bei jüngeren Schülerinnen und Schülern diesen Weg zu wählen. Wenn eine Lehrkraft eine Klasse 9 neu übernimmt und möchte gerne Fotos der Schüler in ihr Noten App aufnehmen, um die Namen schneller lernen zu können, so kann sie die Einwilligung hier sicher auch unkompliziert mündlich einholen. Geht es um mehr, etwa Fotos auf einer Klassenfahrt, Videoaufnahmen im Sport, so sollte die Einwilligung immer schriftlich eingeholt werden, um sie im Zweifelsfall nachweisen zu können, und eben so, dass sie gegenüber der Schulleitung erteilt wird.
  • In der Genehmigung für die Verarbeitung von personenbezogenen Daten auf privaten Endgeräten ist es durchaus möglich, diese für das Smartphone auf das Anfertigen von Fotos einzuschränken, falls die Schulleitung der Ansicht ist, dass ein Smartphone für die Verarbeitung anderer personenbezogener Daten aus der Schule nicht geeignet ist.
  • Lehrkräfte müssen bei der Nutzung eines Smartphones für Fotografien von Schülerinnen und Schülern in der Lage sein, Synchronisation und Backup der Aufnahmen in eine Anbieter Cloud oder eine privat genutzte Cloud per Einstellung zu unterbinden.
  • Nach der Anfertigung sollten die Fotos auf einen Dienstrechner übertragen und vom Smartphone gelöscht werden.

Alternative Lesart der Handreichung

Der Abschnitt

  • „Unter Punkt 3.3 sind alle Daten aufgeführt, die eine Lehrkraft automatisiert auf privaten Endgeräten verarbeiten darf, wenn der oder die einzelne Betroffene ihr bzw. der Schule die Einwilligung zur Verarbeitung erteilt hat.“2Handreichung zur Genehmigung – abgerufen am 15.08.2020

lässt auch eine alternative Lesart zu. Die Formulierung sagt nicht, dass ausdrücklich in die Verarbeitung auf dem Gerät einer Lehrkraft eingewilligt werden muss. Es wird lediglich in die Verarbeitung von bestimmten Daten durch die Schule und damit auch durch die Lehrkraft eingewilligt. Hinzu kommt, auch alle in Anlage 3 der VO-DV I gelisteten Daten können ohne ausdrückliche Einwilligung der Betroffenen auf privaten Endgeräten der Lehrkräfte verarbeitet werden, sofern sie die Genehmigung der Schulleitung dafür haben.

Schließt man sich dieser Lesart an, braucht es keine Einwilligung, in welcher explizit eingewilligt wird, dass die betreffenden Daten auch auf den privaten Endgeräten von Lehrkräften verarbeitet werden dürfen.

Genehmigung private Endgeräte Lehrkräfte

Lesezeit: 2 Minuten

Genehmigung Lehrkräfte Nutzung private Endgeräte (NRW)

Seit Februar 2018 gilt in NRW die nicht ganz unumstrittene Genehmigung für die Verarbeitung von personenbezogenen Daten aus der Schule durch Lehrkräfte zu dienstlichen Zwecken auf privaten ADV-Anlagen von Lehrkräften gem. § 2 Abs.2 VO-DV I / § 2 Abs.4 VO-DV II).

Leider hat sich auch nach einem Austausch mit dem Staatssekretär Richter im April 2018 nichts wirklich geändert.1Siehe: Nicht wirklich Neues in Bezug auf die Genehmigung für Privatgeräte in NRW Die Genehmigung ist verbindlich vorgeschrieben, bisher bestehende Genehmigungen können, sofern sie den Vorgaben der VO-DV I entsprechen weiter genutzt werden.2Siehe Das MSB NRW kommt Schulen bei Genehmigung für Privatgeräte entgegen Auch an der Position der LDI NRW, die Schulleitungen empfahl, die Genehmigung nicht zu unterschreiben, hat sich nichts bewegt. Eine Ausstattung aller Lehrkräfte mit Dienstgeräten, ist vermutlich auf absehbare Zeit ebenfalls nicht zu erwarten.

Wer als Lehrkraft keine alte, gültige Genehmigung hat oder die Schule wechselt und eine neue benötigt, kommt nicht umhin, die technischen Vorgaben aus Teil B zum Schutz der Daten zu erfüllen, um die Genehmigung zu erhalten.

Die Vorgaben der Genehmigung im Teil B lassen sich durchaus erfüllen, wenngleich nicht jeder persönlich in der Lage sein wird, die Vorgaben mit seinem Gerät umzusetzen.

Vom Ministerium gibt es eine Handreichung zur Genehmigung, die als Hilfe beim Ausfüllen der eigentlichen Genehmigung gedacht ist
und zu jedem Punkt Hintergründe und Abkürzungen erläutert.

Als Hilfe für die Umsetzung gibt es eine umfangreiche Hilfestellung, für alle großen Systeme: Windows, Mac OS, Linux, iOS und Android. Ergänzt wird diese durch eine Sammlung von Fragen und Antworten zu dieser schwierigen Thematik.

In den Tipps findet sich der Vorschlag, einen USB Stick zu nutzen für die Speicherung von personenbezogenen Daten aus Anlage 3. Diesen Weg favorisiert man übrigens auch in Hessen – siehe „Verarbeitung von Schüler- oder Elterndaten auf privaten Datenverarbeitungseinrichtungen der Lehrkräfte„. Wenn eine Schule ihren Lehrkräften verschlüsselte USB-Sticks ausgibt, auf welchen personenbezogene Daten aus der Schule gespeichert und verarbeitet werden, um sie vom privaten Rechner zu halten, dann bietet den Lehrkräften das Blatt „Datenschutz leichter durch sicheren USB-Stick“ Informationen zur Nutzung.

Ausführlichere Informationen zu den Möglichkeiten, sich die Genehmigung zu erleichtern finden sich im Beitrag: Genehmigung für Lehrkräfte vereinfachen: USB Stick oder Plattform

Datenschutz Tipps & Antworten für Lehrkräfte, die schulische personenbezogenen Daten auf Privatgeräte verarbeiten wollen

Lesezeit: 2 Minuten

Lange Zeit hat sich niemand wirklich Gedanken gemacht, ob es in Ordnung ist, dass eine Lehrkraft die personenbezogenen Daten von Schülern auf ihren privaten Rechnern verarbeitet haben. Wie so viele andere Dinge im Lehreralltag hat man das einfach gemacht. Niemand fragte danach. Genehmigungen wären hier eigentlich schon seit Jahren erforderlich gewesen. An vielen Schulen wusste man davon nichts oder setzte diese Vorgabe nicht um. In NRW hat das Thema mit der Dienstanweisung einen verbindlichen Charakter erhalten. Die   Genehmigung für die Verarbeitung von personenbezogenen Daten aus der Schule durch Lehrkräfte zu dienstlichen Zwecken
auf privaten ADV-Anlagen von Lehrkräften gem. § 2 Abs.2 VO-DV I / § 2 Abs.4 VO-DV II
 
ist für alle Schulen verbindlich. Aber auch in anderen Bundesländern geht ohne Genehmigung nichts.

Die Vorgaben aus der Genehmigung sind orientiert an den technisch organisatorischen Maßnahmen zum Schutz der Daten, die für jede Verarbeitung von personenbezogenen Daten und von denen von Schülerinnen und Schüler insbesondere gelten.

Das Problem ist die Umsetzung dieser Vorgaben. Vielen Lehrkräften fällt das schwer. Deshalb habe ich in Orientierung am Teil B – Datensicherheit – des Genehmigungsformulars aus NRW eine Übersicht erstellt, die angibt, was zu tun ist, wenn man sein Gerät, ob Windows, Mac OS, Linux, iOS oder Android möglichst sicher machen möchte im Sinne der Vorgaben. Die Übersicht ist ein Google Doc mit dem Namen Tipps & Antworten für die Praxis . Das Dokument kann weitergenutzt werden und steht dafür unter einer Creative Commons Attribution 4.0 International Lizenz. Als Urheber ist zu nennen datenschutz-schule.info.

Die FAQ im zweiten Teil bezieht sich auf die Genehmigung aus NRW. Alles andere ist auch in anderen Bundesländern sinnvoll, wenn man als Lehrkraft sicher arbeiten möchte. Das Dokument werde ich versuchen, aktuell zu halten.

Welche personenbezogenen Daten von Lehrkräften dürfen OHNE Einwilligung auf die Schulhomepage?

Lesezeit: 2 Minuten

Viele Schulen möchten auf ihrer Schulhomepage über das Schulpersonal und dessen Funktionen informieren, so dass jeder weiß, an wen er sich wenden kann. Dabei herrscht aber oft Unsicherheit, ob es dafür einer Einwilligung der Betroffenen bedarf. Die eine oder andere Lehrkraft möchte nicht namentlich auf der Schulhomepage genannt werden. Wie sieht die rechtliche Seite aus? Die folgenden Aussagen beziehen sich auf NRW. In anderen Bundesländern, vor allem denen ohne ein Informationsfreiheitsgesetz können andere Regelungen gelten.

In einer FAQ für den Lehrerrat des Philologen-Verband NW heißt es dazu:

„In Nordrhein-Westfalen gestatten die §§ 12 und 9 Absatz 3 Informationsfreiheitsgesetz Nordrhein-Westfalen (IFG NRW) die Veröffentlichung von Namen, Titeln, akademischen Graden, Berufs- und Funktionsbezeichnungen, Büroanschriften und dienstlichen Rufnummern sowie dienstlichen E-Mail-Adressen der Lehrkräfte und des sonstigen Schulpersonals ohne deren Einwilligung, sofern keine schutzwürdigen Belange entgegenstehen. Gleichwohl sind die Betroffenen vor einer Veröffentlichung zu informieren. Das IFG NRW gilt im Übrigen nur für öffentliche Schulen in Nordrhein-Westfalen.“

Diese Informationen finden sich in ähnlicher Form in einer Präsentation von J. Katernberg, LDI, 2008, Datenschutz – Was darf auf die Schulhomepage?1Die dienstliche E-Mail wird hier noch nicht genannt und taucht auch im IFG NRW noch nicht auf. Man kann die dienstliche E-Mail jedoch hinzunehmen, da diese heute den selben Stellenwert hat wie eine dienstliche Telefonnummer und an vielen Schulen Lehrkräfte eher eine dienstliche E-Mail Adresse haben als eine eigene Rufnummer.

Das Informationsfreiheitsgesetz Nordrhein-Westfalen (IFG) gilt auch mit dem Inkrafttreten der DS-GVO weiterhin nahezu unverändert.

Das heißt also, wenn eine Schule auf ihrer Homepage über das Kollegium und anderes Schulpersonal informieren möchte, dann kann sie dieses ohne deren Einwilligung tun, wenn sie dabei drei Dinge beachtet:

  1. Sie hält sich an die Vorgaben und veröffentlicht nur die nach dem IFG zugelassenen personenbezogenen Daten.
  2. Sie beachtet dabei schutzwürdige Belange der betroffenen Personen.
  3. Sie informiert die Betroffenen vor der Veröffentlichung.

Fotos gehören nicht zu den durch das IFG für eine Veröffentlichung zugelassenen personenbezogenen Daten. Hierfür ist eine gesonderte Einwilligung erforderlich, die natürlich auch verweigert oder ohne Angabe von Gründen widerrufen werden kann.

Steht also auf einer Schulhomepage eine Beschreibung wie:

Johanna Schneider
Oberstudienrätin
Unterstufenkoodinatorin
Klassenlehrerin 8e
dienstliche E-Mail: johanna.schneider@mustergymnasium.de
dienstliche Telefonnummer: 02781-85 5033

dann ist dieses durch das IFG NRW abgedeckt und es bedarf keiner Einwilligung hierfür.

Mit folgendem Informationsschreiben können Lehrkräfte vorab informiert werden:

Bitte passen Sie das Schreiben entsprechend der Gegebenheiten Ihrer Schule an.