whiteboard.fi – formative assessment

Lesezeit: 6 Minuten

Stand: 2021-02-04

Art von Plattform: Whiteboard für formative assessment

URL: https://whiteboard.fi/

Anbieter: Digital Teaching Tools Finland Ltd Die Plattform wurde im Februar 2021 von Kahoot, der Online Quiz Plattform übernommen, um das Angebot für Schulen zu erweitern.

Monetarisierung: Der Anbieter setzt auf ein Freemium Modell. Dafür gibt es ein kostenlose, funktional eingeschränkte Nutzungsmöglichkeit, die es erlaubt, einen Klassenraum einzurichten, der dann nach 2 Stunden automatisch gelöscht wird. Wer das Angebot dauerhaft nutzen möchte, zahlt.

Datenschutz, Sicherheit

Datenschutzerklärung: Die Datenschutzerklärung ist kurz und knapp und über die Startseite zu erreichen und nur dort einzusehen. Man gibt an, die Daten der Nutzer „nicht für automatisierte Entscheidungsfindung oder Profiling“ zu verwenden. Das betrifft jedoch nur die eigene Nutzung der Daten. Bei angemeldeten Nutzern werden durch den Anbieter „Name, E-Mail, Unterrichtsfächer, IP-Adressen, Bilder von dem, was auf den Whiteboards gezeichnet wird“ verarbeitet. Auch wenn es sich um eine finnische Firma handelt, so werden bei Nutzung von whiteboard.fi sämtliche Daten werden innerhalb der Vereinigten Staaten gespeichert.1Das hängt vermutlich damit zusammen, dass die USA der für den Anbieter wichtigste Markt ist. Man gibt an, Daten nur gelegentlich an Dritte weiterzugeben2„not regularly“ Die eigentlichen Registrierungsdaten fallen nicht darunter. Nutzern werden die Betroffenenrechte, die ihnen nach der DS-GVO zustehen, eingeräumt.

Ob der Anbieter einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung anbietet, müsste man erfragen. In der Datenschutzerklärung wird im Zusammenhang mit dem Recht aus Auskunft von Controller gesprochen, dem Verantwortlichen. Da es sich um eine EU Firma handelt, könnte das ein Hinweis sein, dass man bei einem Bezahlkonto auch einen AVV erhalten kann.

Die Analyse mit Webbkoll Dataskydd zeigt, dass bei Zugriff über einen für Schüler erstellten Link zwar 7 Cookies gesetzt werden, es sich bei diesen jedoch nur um solche des Anbieters handelt (1Party Cookies). Es lassen sich jedoch Datenflüsse zu verschiedene Diensten nachweisen:

  • cdn.jsdelivr.net
  • fonts.googleapis.com
  • fonts.gstatic.com
  • www.google-analytics.com

Die Website BuiltWith.com gibt an, dass die Seite auch New Relic nutzt, ein Analysetool, welches es erlaubt den Status der Plattform und ihre Verfügbarkeit bei „gleichzeitiger Überwachung der tatsächlichen Benutzererfahrung“ einzusehen.

Google-Analytics

Die Google-Analytics-Prüfung Prüfung über das Tool der Uni Bamberg ergibt für für „https://whiteboard.fi/h6t89“, dass Google-Analytics ohne IP Anonymisierung genutzt wird. Damit erhält Google u.U. Zugriff auf Informationen, die  genutzt werden können, um Nutzerverhalten zu verfolgen und diese über Zuzsammenführen mit Informationen aus anderen Quellen einer identifizierbaren Person zuzuordnen.

Server Standort(e): Wie in der Datenschutzerklärung werden ausschließlich Server mit Standort USA verwendet.3Anbieter Cloudflare Net Die auf den Servern gespeicherten Daten unterliegen damit komplett der US Jurisdiktion.

Nutzung und Funktionen

Whiteboard.fi ist stellt keine Whiteboards für kollaboratives Arbeiten im Klassenraum bereit, sondern versteht sich als Formative Assessment4Siehe Formative Assessment in der Wikipedia – https://de.wikipedia.org/wiki/Formative_Evaluation Tool. Das Angebot wird komplett browserbasiert genutzt. Die Lehrkraft erstellt eine Raum und gibt ihren Schülern einen Link zu diesem Raum. Eine Lobby kann aktiviert werden, um eine Einlasskontrolle zu haben.

Schülern kann die Möglichkeit gegeben werden, ihre Whiteboards zu speichern. Alternativ sichert das System alle Whiteboards. Schüler wählen einen eigenen Nutzernamen, um dem Klassenraum beizutreten. Jeder hat dann ein eigenes Whiteboard, auf dem er/ sie die Aufgabe bearbeitet, welche sie von der Lehrkraft erhalten hat. Das kann eine Aufgabe sein, welche direkt über die Funktionen der Plattform verteilt wird. Alle Whiteboards erscheinen in einem Raster im Klassenraum mit dem Nutzernamen darunter. Die Lehrkraft kann dort in Echtzeit sehen, was die einzelnen Schüler tun. Sie kann dann entsprechend eingreifen und unterstützen oder korrigieren, um im Sinne von Formative Assessment die Schüler gar nicht erst auf falsche Lernwege gelangen zu lassen. Der Art von Aufgaben sind wenig Grenzen gesetzt. Es kann geschrieben und gezeichnet werden. Schüler können so Texte schreiben, Mathematikaufgaben berechnen und ähnlich. Bei Bedarf kann die Lehrkraft direkt mit den Schülern interagieren.

Sie kann Feedback schreiben, den Verlauf des Feedback einsehen und direkt auf das Whiteboard eines Schülers zugreifen. Dieses kann auch unmittelbar von ihr gespeichert werden.

Zusätzlich hat die Lehrkraft die Möglichkeit, die IP Adresse der Schüler anzeigen zu lassen. Das ist eine Sicherheitsfunktion, die vor allem Sinn macht, wenn Schüler die Plattform aus der Schule heraus nutzen. So ist leicht zu sehen, ob ein Schüler beispielsweise den Einladungslink weitergegeben hat. Bei Nutzung von einem Mobilgerät oder von zu Hause aus, ist die Nutzung dieser Funktion aus Sicht von Datenschutz kritisch zu sehen. Klassenräume werden nach einer Unterrichtseinheit geschlossen und dann gelöscht. Whiteboards der Schüler müssen vorher gesichert werden.

Um Whiteboard.fi nutzen zu können, benötigen Schüler keine Nutzerkonten. Sie melden sich, wie beschrieben, nur über einen Link oder QR-Code an. Lehrkräfte benötigen zur Nutzung der Feedback und Live-Kollaborationsfunktionen mit einzelnen Schülern ein bezahltes Konto, wozu eine Anmeldung erforderlich ist. Es gibt Bezahlkonten in zwei Abstufungen, die sich durch den Umfang der Funktionen unterscheiden. Eine Schullizenz gibt es scheinbar nicht.

Hinweise zur Nutzung durch Schulen

Grundsätzliches

Auch wenn die Plattform die Whiteboards von Schülern und Lehrerfeedback nicht dauerhaft speichert und Schüler keine persönlichen Nutzerkonten benötigen, werden auf der Plattorm personenbezogene und -beziehbare Daten verarbeitet, zumindest solange ein Klassenraum besteht. Dazu gehören die individuellen Lernprozesse, wie sie sich in der Entwicklung der Einträge im Whiteboard niederschlagen, und bei Nutzung eines Bezahlkontos auch Feedback der Lehrkraft. Hinzu kommen die IP Adresse des genutzten Internetzugangs und je nach Aufgabe auch die Handschrift. Für den Anbieter selbst ist es nicht möglich, das, was in einem Raum passiert, identifizierbaren Schüler-Nutzern zuzuordnen. Lehrkräfte können in Echtzeit einsehen, was Schüler auf ihrem Whiteboard tun und Ergebnisse herunterladen. Grundsätzlich besteht das Problem, dass die Daten auf Servern in den USA verarbeitet werden. Spätestens seit Ende des EU-US Privacy Shield ist dieses nicht unproblematisch. Solange es nur um anonymisierte Telemetriedaten geht, mag das noch vertretbar sein. Hier geht es jedoch, je nach Setting, um von Schülern erstellte Lernartefakte und bei Bezahlkonten um individuelles Feedback dazu. Dieses ist durch die registierte Lehrkraft und Schülernutzernamen, die am ehesten den Vornamen entsprechen werden, möglicherweise auf identifizierbare Personen zurückführbar. Hinzu kommt, dass es möglicherweise keinen Vertrag zur Auftragsverarbeitung gibt oder wenn, dieser nur durch einzelne Lehrkräfte abgeschlossen werden kann, da es keine Schullizenzen gibt. Bei einer derartigen Verarbeitung von personenbezogenen Daten ist eine Nutzung ohne AVV mit den Vorgaben von schulischen Datenschutzrecht nicht zu vereinbaren.

Nutzung in der Schule

Bei einer Nutzung mit schulischen Endgeräten und ohne gleichzeitigen Login an anderen Online-Plattformen bzw. -diensten, können die im Hintergrund von whiteboard.fi aktiven Trackingmechanismen und Drittanbieter keine für sie verwertbaren Daten von Schülern erheben. Richten Lehrkräfte sich ein bezahltes Konto ein, hängt es sehr davon ab, mit welchen Angaben dieses erfolgt, ob die dadurch identifizierbar werden.

Nutzung zu Hause/ auf privaten Geräten/ BYOD

Rufen Schüler whiteboard.fi von privaten Endgeräten oder vom heimischen Internetanschluss von zu Hause aus auf oder über das Mobilnetz mit ihrem Smartphone auf, werden vom Server Daten erhoben, von der IP Nummer bis zum Browsertyp und Betriebssystem, die eine Identifizierung ermöglichen könnten. Bei der Nutzung von privaten Endgeräten sind Schüler meist an anderen Plattformen angemeldet und im System finden sich Cookies oder andere Möglichkeiten, über die z.B. Google-Analytics ihnen ihren Besuch bei whiteboard.fi zuordnen kann. Das ist unabhängig davon, ob die Lehrkraft einen kostenlosen oder bezahlten Account nutzt.

Datenschutz Bewertung Übersicht

Nutzung in der Schule mit schulischen Endgeräten

Auch wenn bei Nutzung von schulischen Endgeräten in der Schule und ohne gleichzeitigen oder vorherigen Login an anderen nicht-schulischen Plattformen für den Anbieter und die im Hintergrund laufenden Dienste kaum eine Möglichkeit besteht, verwertbare Informationen zu erhalten, so besteht die Grundproblematik, dass sämtliche Verarbeitung in den USA stattfindet. Die geringsten Risiken dürften bestehen, wenn ein kostenloser Lehrer Account genutzt wird.

Nutzung mit privaten Endgeräten/ vom heimischen Internetanschluss

Wird whiteboard.fi über ein privates Endgerät genutzt oder den heimischen Internetanschluss, werden Nutzer für die Plattform und im Hintergrund laufende Analyse Dienste potentiell identifizierbar. Bei mobilen Endgeräten mit Mobilfunkzugang ist es für Dienste wie Google-Analytics ein Leichtes, den Besuch von whiteboard.fi  einem identifizierbaren Nutzer zuzuordnen.

Fazit

Auch wenn whiteboard.fi in seinen Funktionen ein sehr schönes und einfach zu nutzendes Tool für Formative Assessment ist, so sprechen doch einige Punkte deutlich gegen eine Nutzung in der Schule. Vor Google-Analytics kann man sich zwar durch sichere Browser oder Tools, die Tracking und ähnliche Dienste blockieren, schützen, doch hier findet eine Verarbeitung von sehr individuellen Lernprozessen, die in Form von sich auf einzelnen Whiteboards entwickelnden Lernprodukten, abgebildet werden, statt. Auch wenn der Anbieter hiervon vermutlich keinen Gebrauch macht, wird jedem Whiteboard eine IP Adresse vom System zugeordnet. Ein Schulkonto gibt es nicht und ob ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung verfügbar wäre, ist nicht sicher. Alle Verarbeitung findet ausschließlich auf Servern in den USA statt. Vor allem der Serverstandort ist, selbst wenn es einen AVV geben sollte, das Ausschlusskritierium, um diese Plattform im Unterricht einzusetzen.