Taskcards – online Pinnwand

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Hinweis: Dieser Datenschutz-Check beschäftigt sich mit einer Plattform, die sich noch in der Entwicklung befindet. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Textes ist Taskcards in der Version 0.17.0

Beschreibung

Taskcards ist eine digitale Pinnwand, deren Entstehung sicherlich auch Padlet  und den mit der schulischen Nutzung verbundenen datenschutzrechtlichen Problemen geschuldet ist. Eine ganze Reihe von Software Firmen haben mit der Idee gespielt, ein besseres Padlet für den deutschen Markt zu entwickeln. Umgesetzt hat dieses mit sichtbarem Erfolg bisher jedoch nur Taskcards. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Plattform, die ihren Start im Februar 2021 nahm und sich seither rasant entwickelt, hat sich den Datenschutz auf die Fahnen geschrieben. Entsprechend heißt es beim Anbieter:

“ TaskCards.de setzt auf absolute Datensparsamkeit und möglichst hohe Anonymität.“

Auch wenn Taskcards eine gewisse Ähnlichkeit zu Padlet hat, ist die Plattform nicht als ein 1:1 Klon zu verstehen. Man orientiert sich sicherlich ein Stück weit an den Funktionalitäten, ist aber bemüht, die Idee der digitalen Pinnwand anders und besser anzugehen. Dabei bezieht man auch die Ideen und das Feedback der Nutzer mit ein.

Um Taskcards zu nutzen, müssen Lehrkräfte ein Konto erstellen bzw. von ihrer Schule erhalten. Schüler benötigen keine eigenen Konten. Zur Mitarbeit an einer Pinnwand werden sie über einen Token eingeladen. Diese werden von der Lehrkraft erzeugt und an die Schüler verteilt. Mittels dieser Token lassen sich die Zugriffsberechtigungen auf freigegebene Teile einer Pinnwand steuern. Das heißt, es kann festgelegt werden, ob der Empfänger des Tokens einen Notizzettel auf einer Pinnwand lesen kann oder keinen Inhalt sieht oder ob er ihn sogar bearbeiten kann. Da sich für eine Pinnwand mehrere Token erstellen lassen, können verschiedene Nutzergruppen mit unterschiedlichen Rechten ausgestattet werden. Es ist so möglich, einer einzelnen Person komplette Moderationsrechte (darf schreiben) zu geben oder verschiedenen Gruppen nur Schreibrechte für „ihre“ Notizzettel zu geben, für alle anderen jedoch nur Leserechte oder sogar nicht mal die. Am Ende kann man dann allen Leserechte geben, um das Ergebnisse der Arbeit der verschiedenen Gruppen allen zugänglich zu machen. Die Token können einfach über Teilen verfügbar gemacht werden, über QR-Codes, über einen Einbettungscode für andere Websites oder ein LMS und als kopierbarer Link, der die Adresse zur Pinnwand und den Token enthält, zur Weitergabe auf anderem Wege, etwa per E-Mail oder Messenger.

In der Grundeinstellung sind Taskcard Pinnwände privat und können nur mit Token aufgerufen werden. Es ist möglich, Pinnwände öffentlich zu machen, so dass sie ohne Token gelesen werden können. Die Vergabe von Schreibrechten erfolgt unabhängig davon, wie oben beschrieben, da öffentlich geteilte Pinnwände Besuchern keine Schreibrechte geben.

Eine gemeinsame, zeitgleiche Bearbeitung durch mehrere Benutzer ist möglich. Allerdings werden Bearbeitungen durch andere bisher erst nach neuem Laden einer Pinnwand angezeigt und nicht dynamisch in die Seite geladen. Echtzeitsynchronisation ist aber laut Anbieter geplant.

Einzelne Notizen können mit verschiedenen Inhalten gefüllt werden, so wie man das von Padlet kennt. Möglich sind Texte mit umfangreicher Formatierung. Andere Websites können verlinkt werden und laden ein Bild von der Seite, sofern vorhanden, als Vorschau. YouTube Videos lassen sich in Notizen einbetten, ohne dass das Video selbst in die Seite eingebettet wird. Angezeigt wird lediglich ein automatisch erzeugtes Vorschaubild. Erst mit Klick auf dieses, wird das Video in einem neuen Tab geöffnet. Kommentare können für jeden Notizzettel einzeln zugelassen werden.

Pinnwände existieren solange das Konto des Benutzers besteht oder bis der Benutzer sie aktiv löscht. Ob dieses auch für Pinnwände gilt, die von einer Lehrkraft mit einem von der Schule vergebenen Konto erstellt wurden, ist offen.

Datenschutz, Sicherheit

Serverstandort, Anbieter

Taskcards ist seit Februar 2021 am Start und noch in der Entwicklung, aber schon gut nutzbar. Hinter der Plattform steht die Firma dSign Systems GmbH aus Schmalkalden. Die Server, auf denen Taskcards läuft, gehören der Strato AG und stehen in Deutschland.

Datenschutzerklärung

Die Datenschutzerklärung findet sich unter Datenschutz. Dort können auch erste Vorlagen für Einwilligungserklärungen für Schüler und Lehrkräfte heruntergeladen werden. Auch der Vertrag zur Auftragsverarbeitung und ein Testat zur Umsetzung der Technischen und organisatorischen Maßnahmen (TOM) sind dort zum Download bereitgestellt. Verarbeitet werden laut Datenschutzerklärung die üblichen in Logfiles gesammelten Daten (Browsertyp und Browserversion, verwendetes Betriebssystem, Hostname des zugreifenden Rechners, IP-Adresse). Von Inhabern eines Kontos werden die Daten verarbeitet, die zum Erstellen desselben erforderlich sind.

Cookies, Tracking

Zum aktuellen Zeitpunkt setzt der Anbieter laut Datenschutzerklärung keine Cookies ein. Es kommen, wie sich nachweisen lässt, auch keine Analyse- oder Trackingdienste Dritter zum Einsatz.

Andere Datenflüsse

Wie bei jeder Website, in welche externe Inhalte eingebettet werden, fließen bei jedem Aufruf einer Taskcard Pinnwand, einige Daten des Nutzers zurück an die Seite, von welcher der eingebettete Inhalt kommt. Wird eine Website so verlinkt, dass ein Vorschaubild von der Seite geladen wird, erhält diese Seite die gleichen Daten, welche sie beim Abruft des Bildes von der Seite selbst erhalten würde. Das wäre dann im Minimum die IP Adresse, von welcher das Bild abgerufen wird.

In Tests konnte jedoch nachgewiesen werden, dass beim Einbinden einer externen Website in einen Notizzettel über die Funktion „Link mit Vorschau“ auch Google-Analytics mit in die Pinnwand geladen werden kann.1Der Test erfolgte mit der URL https://www.activpayroll.com/news-articles/paye-modernisation-ireland-what-to-expect Möchte man diese Datenflüsse unterbinden, verlinkt man über Text auf die Seite, lädt das Bild von der Seite herunter und lädt es manuell in die Pinnwand.2Achtung! Beachten Sie dabei die Urheberrechte. Es besteht ein Unterschied, ob man ein Bild in die eigene Website/ Taskcard einbettet oder es herunterlädt und dann auf der eigenen Website/ Taskcard speichert und bereitstellt. Letzteres ist nur bei offen lizenzierten Materialien möglich. Der Anbieter hat auf Nachfrage angekündigt, Datenabflüsse dieser Art zur Ursprungsseite zukünftig unterbinden zu wollen.

Wie oben beschrieben, werden YouTube Videos nicht direkt eingebettet, sondern nur ein Vorschaubild. Damit werden in Taskcards keine Google Cookies und Tracker geladen. Das Vorschaubild zum Video wird allerdings von YouTube Servern geliefert3Diese finden sich unter i.ytimg.com. Damit landet zumindest die IP Adresse der Person, die eine Taskcard Pinwand mit so eingebettetem YouTube Video aufruft, bei Google.4Google würde damit die Information erhalten, dass eine IP Adresse ein Vorschaubild zu einem bestimmten YouTube Video abgerufen hat. Über Zusammenführung mit Daten aus anderen Quellen könnte sie diese Information potentiell einer identifizierbaren Person zuordnen. Verglichen mit Datenabflüssen durch Cookies und Tracking Tools ist ein derartiger Datenabfluss aber mehr oder weniger normal.

Sicherheit

Auch wenn über Token und die grundsätzliche Einstellung, ob eine Pinnwand öffentlich oder geheim ist, nicht komplett verhindern, dass Dritte die Inhalte einer geheimen Pinnwand ganz oder in Teilen einsehen können. Das ist dann möglich, wenn ein Teilnehmer mit zumindest Leserechten, seinen Token oder Link mit enthaltenem Token an Dritte weitergibt. Soll dieses verhindert werden, müssen alle Token nach Abschluss der Bearbeitung durch die Mitarbeiter gelöscht werden. Sehr nützlich in Bezug auf Sicherheit ist die Möglichkeit, eine Pinnwand „anonym“ zu veröffentlichen. Dann ist anders als etwa bei Padlet oder in den Standardeinstellungen von Taskcards die Pinnwand keinem Nutzer zuzuordnen.

Hinweise zur Nutzung durch Schulen

Grundsätzliches

Taskcards ist eine Plattform, die zwar noch am Anfang ihrer Entwicklung steht, doch bereits schon jetzt gut nutzbar ist. Sie kann bereits mit vielen Funktionen aufwarten, die man von Padlet kennt und hat einige davon sogar besser und sicherer gelöst. Da der Anbieter aus Deutschland kommt, deutsche Server nutzt und sich Datenschutz auf die Fahnen geschrieben hat, bringt er für einen Einsatz in der Schule die besten Voraussetzungen mit. Anders als bei Padlet kann man hier auch bedenkenlos eine Nutzung von zu Hause aus und mit privaten Endgeräten vertreten.

Auch wenn Taskcards sehr vorbildlich datensparsam arbeitet, ist vor der Nutzung von Taskcards im Unterricht das Einholen einer Einwillugung erforderlich. Dabei muss berücksichtigt werden, ob diese Pinnwand öffentlich gemacht werden soll oder nur für die Klasse einsehbar sein soll. Zu berücksichtigen ist auch, ob dabei Stimmaufnahmen eingestellt werden sollen oder Fotos der Schüler.5Das ist alles sicher möglich mit Taskcards. Wenn geplant wird, Stimmaufnahmen einzustellen, dann reicht es nicht einfach nur eine Einwilligung in die Nutzung von Taskcards einzuholen. In der Einwilligung muss auch als eine Auswahlmöglichkeit die Aufnahme und „Veröffentlichung“ von Stimmaufnahmen enthalten sein. Dabei ist es wichtig, dass die Einwilligung hier eine Auswahl ermöglicht, die von der Einwilligung in die Nutzung von Taskcards unabhängig ist.

Lehrkräfte sollten bei der Befüllung von Taskcard Pinnwänden mit Inhalten für ihre Schüler immer bedenken, dass eine Verlinkung von externen Seiten über die „Link mit Vorschau“ Funktion Cookies und Tracker von anderen Seiten auf die Pinnwand geholt werden können. Bei Seiten, wo man mit solchen rechnen muss, empfiehlt es sich, auf diese Funktion zu verzichten und die Einbettung über einen Link im Textbereich vorzunehmen.6Es bleibt zu hoffen, dass die Entwickler von Taskcards eine Möglichkeit finden, die mit der Einbettung von externen Seiten möglichen Einflüsse von Cookies und Trackern von diesen Seiten in einer Pinnwand zu unterdrücken.

Nutzung in der Schule mit schulischen Endgeräten

Taskcards kann in der Schule mit schulischen Endgeräten ohne Risiken genutzt werden.

Nutzung auf privaten Endgeräten/BYOD

Auch eine Nutzung von zu Hause aus oder von privaten Endgeräten ist ohne Risiken möglich. Zwar könnte der Anbieter über die erhobenen Logdateien über Zusammenführung mit Daten von Dritten Nutzer identifizieren, sagt jedoch in seiner Datenschutzerklärung ausdrücklich zu, dieses nicht zu tun. Im Rahmen eines Vertrags zur Auftragsverarbeitung, den Schulen mit dem Anbieter abschließen sollten, wäre dieses ohnehin nicht statthaft.

Nutzung durch Lehrkräfte

Auch für Lehrkräfte ist die Nutzung sehr datensparsam möglich und birgt keine Risiken.

Fazit

Taskcards ist eine für Schulen sehr interessante Plattform, die sich gut entwickelt und viel Potential hat. Padlet ist vor allem deshalb erfolgreich, weil es sehr einfach zu bedienen ist. Taskcards kommt diesem Konzept sehr nahe. Man darf gespannt sein, wie die weitere Entwicklung sich gestaltet und hoffen, dass die guten Vorsätze beim Datenschutz auf Dauer erhalten bleiben.

Stand 06/2021