Quizlet – interaktive Lernkartensets

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Weltweit erfreut sich Quizlet großer Beliebtheit. Es lassen sich damit Vokabeln, Fachbegriffe und Wissen trainieren und abfragen. Ohne großen Aufwand können Lehrkräfte ansprechende Lernsets für Fremdsprachen wie auch die Festigung von Fachwissen zu erstellen. Bei Fremdsprachen besondern nützlich ist die Audiofunktion, mittles welcher beispielsweise Vokabeln über Sprache abgefragt werden können. Mit Quizlet Live können Schüler einer Lerngruppe in Teams gegeneinander antreten. Die Plattform bietet außerdem Funktionen, Kurse einzurichten und dann auch Lernaktivitäten anzuzeigen und zu überprüfen. Quizlet kann mit Microsoft Teams und Google Classroom verbunden werden, so dass Schülern dorthin Aufgaben gestellt werden können, die sie dann in Quizlet erledigen. Auch ein Facebook Konto kann zum einfachen Login genutzt werden. Die Datenschutzerklärung findet sich unter https://quizlet.com/privacy. Zusätzlich gibt es noch eine Informationsseite zum Schutz von Nutzerdaten (https://help.quizlet.com/hc/de/articles/360030253571-Schutz-von-Nutzerdaten), die in verständlicher Sprache erklärt, wie Quizlet Daten nutzt und schützt, und eine Cookie Richtlinie unter https://quizlet.com/de/cookies. Ein Teil der Cookies lässt sich beim ersten Besuch der Seite über „Weitere Optionen“ im Cookie Banner deaktivieren. Die Plattform lässt sich nur nach Erstellung eines Kontos nutzen. Das gilt für Lehrkräfte wie für Schüler.1Es gibt die Möglichkeit, ohne Anmeldung die ersten Karten von Übungen zu nutzen. Danach wird eine Anmeldung erforderlich. Letztere können sich auch aus Office 365 oder G Suite for Education über SSO anmelden. Die Nutzung von Quizlet ist für Lehrkräfte  und Schüler ohne Bezahlkonto möglich. Es wird dann Werbung angezeigt. Zahlt die Lehrkraft für ein Konto, entfällt die Anzeige von Werbung.

Quizlet ist über den Browser nutzbar und über Apps für iOS und Android.

Datenschutz, Sicherheit

Serverstandort, Anbieter

Quizlet ist ein US Anbieter2„Quizlet ist in Kalifornien ansässig, da sich unser Firmensitz in San Francisco befindet. Soweit die geltende Gesetzgebung keine anderslautenden Bestimmungen vorsieht, unterliegen diese Nutzungsbedingungen sowie der Zugriff auf den Dienst und die Nutzung des Dienstes, unabhängig davon, an welchem Ort auf der Welt Sie sich befinden, den Gesetzen des US-Staates Kalifornien unter Ausschluss der kollisionsrechtlichen Bestimmungen.“ Quelle TOS, Stand 04/2020 und nutzt Server in den USA. Der Anbieter hat sich nach dem EU-US Privacy Shield zertifiziert und sichert außerdem zu, sich an die Vorgaben von COPPA (Children’s Online Privacy Protection Act) zu halten. In einer Erklärung zum Schutz von Nutzerdaten wird erklärt, dass man auch „Musterverträgen und Standardvertragsklauseln“ verwende, um den Transfer von Daten aus der EU in die USA abzusichern. Ob solche für Schulen verfügbar sind, ist der Seite nicht zu entnehmen. Entsprechende Dokumente scheinen auch nirgendwo einsehbar.

Cookies, Tracking

Eine Analyse mit Webbkoll Dataskydd erbringt 11 Cookies (10 First-Party; 1 Third-Party) und 18 Anfragen an 9 eindeutigen Hosts von Drittanbietern. Letzteres meint Inhalte, die von Servern anderer Anbieter geladen werden, die darüber ihrerseits Zugriff auf Daten der Nutzer von Quizlet bekommen. Zu den genannten Drittanbietern gehören z.B. Facebook, der Analyseanbieter comScore, der Werbevermarkter Quantcast und Google Tag Manager, ein Web Tracking Tool.

Es ist möglich, alle Cookies bis auf die „Unbedingt erforderlichen Cookies“ zu deaktivieren.3Deaktivieren lassen sich: Functional and performance cookies, Werbe Cookies und Social-Media-Cookies Der Anbieter weist darauf hin, dass dann die Funktionalität in Teilen beeinträchtigt sein könnte. Trotz Deaktivierung bleiben immer noch eine Reihe von bedenklichen Diensten im Hintergrund aktiv.

Google-Analytics

Bei Quizlet läuft im Hintergrund Google-Analytics. Eine Deaktivierung ist durch den Anbieter nicht vorgesehen. Nach Angaben des Anbieters wird der Dienst nur mit eingeschränkten Funktionen genutzt, um Kinder zu schützen.4„In manchen Fällen verwenden wir zur Unterstützung unserer internen Abläufe eingeschränkte Versionen unserer externen Dienste (zum Beispiel Google Analytics), um in den Bereichen unserer Webseite, auf die Kinder Zugriff haben, die Weiterleitung und Rückverfolgung von Daten zu beschränken.“ Datenschutzerklärung, Stand 04/2020

Einbindung externer Inhalte

In Lernkarten können Bilder und Grafiken eingebunden werden, die entweder bei Quizlet selbst gespeichert sind oder aus anderen Quellen (Flickr) kommen. Eigene hochgeladene Bilder landen auf Quizlet Servern. Bei von Flickr eingebundenen Bildern erfolgt entsprechend ein Zugriff auf die Server dieses Anbieters.

iOS und Android Apps

Es ist zu erwarten, dass die Apps aus Sicht des Datenschutz gleichermaßen Problematisch sind wie die Website selbst, da sie nur einen Zugang zum Online Dienst darstellen.

Hinweise zur Nutzung durch Schulen

Grundsätzliches

Quizlet zwingt Nutzer zur Erstellung eines Kontos. Es ist damit möglich, angemeldete Schüler Lerngruppen/ Klassen zuzuweisen und sie mit Lernsets zu versorgen. Damit kann die Lehrkraft dann Lernfortschritte für einzele Schüler, deren Aktivitäten und gelernte Karten, nach Wochen einzusehen. Zusätzlich gibt es eine statistische Auswertung, welche Karten von der gesamten Lerngruppe beherrscht werden und wo noch Fehler gemacht werden.

Das sind Einblicke in das Lern- und Arbeitsverhalten von Schülern, die zwar bezogen auf die Zeiträume recht grob sind, doch trotzdem aus Sicht des Datenschutz trotzdem nicht völlig unbedenklich, auch wenn der Anbieter selbst darauf hinweist, dass die „Schüleraktivitäten“ nicht zur Bewertung herangezogen werden sollen5Siehe hierzu auch den Hinweis von Quizlet .

Auch wenn Nutzer beim ersten Besuch der Website einen Teil der Cookies deaktivieren können, bleiben noch immer so viele Dienste aktiv, dass Nutzerverhalten durch durch den Anbieter wie auch Dritte verfolgt, ausgewertet und zur Bildung von Profilen genutzt werden kann.

Nutzung in der Schule

Eine datenschutzfreundliche Nutzung in der Schule ist nur schwierig umzusetzen. Sie würde neben einer Nutzung über schulische Endgeräte und ohne gleichzeitigen Login an anderen Online Diensten erfordern, dass Schüler über eine E-Mail Adresse verfügen, welche ihnen unter keinen Umständen zugeordnet werden kann. Eventuell könnte das mit einer pseudonymen schulischen E-Mail Adresse umgesetzt werden. Diese dürfte dann jedoch nur bei einem Login von einem Schulgerät unter den beschriebenen Bedinungen genutzt werden, um durch andere Nutzung entstehende Möglichkeiten, die Nutzer zu identifizieren zu unterbinden. Leider unterstützt Quizlet abgesehen von Microsoft, Google und Facebook momentan scheinbar keine weitere Anbieter für Single Sign-on. Solange Quizlet keine Nutzung seiner Lernsets ohne personalisierte Anmeldung ermöglicht, dürfte eine Nutzung in der Schule selbst auf schuleigenen Geräten und ohne Login an anderen Plattformen aus datenschutzrechtlicher Sicht kaum so umsetzbar sein, ohne dass die Schüler in ihrem Recht auf informationelle Selbstbestimmung massiv beeinträchtigt werden.

Nutzung zu Hause/ auf privaten Geräten/ BYOD

Eine Nutzung von Quizlet in der häuslichen Umgebung bzw. mit eigenen Endgeräten ist aus Sicht des Datenschutz noch einmal deutlich bedenklicher, da private Smartphones, Tablets und PC nahezu immer an den Diensten Dritter angemeldet sind. Das erleichtert es Dritten, die in Quizlet im Hintergrund aktiv sind, noch einmal die erfassten Nutzerdaten auszuwerten.

Information der Betroffenen

Wenn Lehrkräfte Lernsets erstellen und ihren Schülern zur freiwilligen Nutzung zur Verfügung stellen, sollten die Betroffenen unbedingt über die möglichen Risiken informiert werden und auch darauf hingewiesen werden, dass zumindest ein Teil der Cookies deaktiviert werden kann.

Datenschutz Bewertung Übersicht

Nutzung in der Schule mit schulischen Endgeräten

Da ohne Nutzerkonten für Schüler nichts geht, nutzt auch der Zugang über schulische Endgeräte in der Schule ohne gleichzeitigen Login an anderen Plattformen wenig, um die bestehenden Risiken abzustellen oder zumindest auf ein vertretbares Maß zu reduzieren.

Nutzung auf privaten Endgeräten/BYOD

Problematik ist im Vergleich zur Nutzung auf Schulgeräten noch größer.

Fazit

Quizlet ist in Bezug auf das Thema Datenschutz für eine Nutzung in der Schule aktuell nicht geeignet. Um diese Bewertung zu ändern, müsste Quizlet entweder auf den Zwang zur Erstellung eines Kontos verzichten oder Schulen einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung anbieten, der dann damit einhergehen würde, dass die Dritten ermöglichten Zugriffe auf personenbezogene Daten entweder komplett abgestellt oder durch entsprechende Verträge datenschutzfreundlich reglementiert würden.

Wenn Lehrkräfte Schülern ihre Lernsets zu einer freiwilligen Nutzung im eigenen Ermessen anbieten, dann sollte dieses allerhöchstens bei älteren Schülern ab Vollendung des 16. Lebensjahres erfolgen. Die Datenschutzproblematik darf dabei nicht unterschlagen werden. Bei jüngern Schülern muss damit gerechnet werden, dass diese sich ohne Wissen der Eltern ein Konto anlegen, vielleicht auch, um der Lehrkraft zu gefallen. Die dadurch für sie entstehenden Risiken können sie definitiv noch nicht abschätzen.

Stand 04/2020