Flinga – kollaborativ Ideen sammeln

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Beschreibung

Flinga ist eine webbasierte Plattform, mit welcher mehrere Personen zeitgleich Ideen zusammentragen können. Dafür stehen zwei Module zur Verfügung, Flinga Wall, eine Brainstorming-Umgebung, Flinga Whiteboard, ein kollaboratves Whiteboard. Um mit Flinga zu arbeiten, benötigt die Lehrkraft einen Nutzerzugang, für den zumindest eine E-Mail Adresse und ein Passwort erforderlich sind. Zusätzlich abgefragt werden ein Name, eine Schule/ Organisation und ein Land. Hier könnten problemlos frei erfundene Daten eingegeben werden. Alternativ ist ein Login über ein bestehendes Google Konto möglich. Teilnehmer an einer kollaborativen Sitzung mit Flinga benötigen kein eigenes Konto. Sie werden über einen Sitzungs-Code eingeladen, über den sie sich auf der Startseite anmelden. Alternativ kann der Zugang direkt über einen QR-Code erfolgen der direkt in Flinga im Board erstellt wird. Die Nutzung erfolgt über einen Browser.

Nutzer können in ein Flinga Board Texte eingeben und dabei auswählen, ob sie als Text oder in einer Grafik (Quadrat, Kreise, …) angezeigt werden. Außerdem ist es möglich, Bilddateien (jpeg, pnd, …) in ein Board zu laden. In der Flinga Wall können Nutzer außerdem auf Einträge reagieren, indem sie ein Herz vergeben. Die Lehrkraft kann über Einstellungen kontrollieren, ob jeder Nutzer die Eintragungen aller anderen Nutzer bearbeiten kann, nur die eigenen oder das Board nur ansehen kann. Außerdem ist es möglich, das Einbinden von Bilddateien zu deaktivieren. Boards lassen sich exportieren.

In der Basis Version ist Flinga kostenlos nutzbar, dann jedoch auf 5 Boards beschränkt. Es gibt die Möglichkeit, auch kostenpflichtige Lizenzen zu erwerben, mit denen es dann möglich ist, eine größere Anzahl von Boards zu erstellen. Schulen können dann Lizenzen an Lehrkräfte verteilen. Die Datenschutzerklärung zu Flinga findet sich nicht direkt in Flinga, sondern kann über die Website des Anbieters Nordtouch erreicht werden.

Datenschutz, Sicherheit

Serverstandort, Anbieter

Der Anbieter von Flinga, Nordtouch, kommt aus Finnland. Flinga wird auf Servern von Amazon Web Services (AWS) betrieben. Unter den Third-Party Requests lässt sich entsprechend auch Cloudfront.net nachweisen, das Content Delivery Network (CDN) von Amazon.

Cookies, Tracking

Zur Bereitstellung der interaktiven Funktionalitäten von Flinga werden neben AWS1beim Upload von Bildern lässt sich amazonaws.com auch noch einmal direkt über FireFox NoScript nachweisen. auch Dienste von Google genutzt. Dazu gehört ajax.googleapis.com, über den Google sogenannte JavaScript Bibliotheken für die Betreiber von Webseiten bereitstellt. Diese binden die JavaScript Bibliotheken in ihre Webseiten ein, wenn sie deren Funktionalitäten benötigen. Beim Aufruf eines Flinga Boards über den Browser werden dann, sofern sie noch nicht beim Besuch einer anderen Webseite benutzt wurden, die entsprechenden Programm Bibliotheken in den Browser geladen, wozu der Browser eine Verbindung zu den Google Servern herstellt. Außer Google-Analytics und Cloudfront.net lassen sich über WebbKoll Dataskydd neben ajax.googleapis.com keine weiteren Verbindungen zu Drittanbietern nachweisen. Verglichen mit anderen Anbietern, die weitaus mehr Dienste Dritter im Hintergrund laufen haben, erscheint Flinga von daher insgesamt „relativ datenschutzfreundlich“. Es wäre aber trotzdem wünschenswert, wenn der Anbieter anstelle von Google-Analytics ein anderes Analyse Tool nutzen würde, etwa Matomo.

Aus der Nutzung von AWS für die Bereitstellung von Flinga und die Einbindung von JavaScript Bibliotheken über Google Server sollten sich für Benutzer keine Risiken ergeben. Bei Google-Analytics lässt sich dieses leider nicht sagen.

Google-Analytics

Nordtouch ist bezüglich der Nutzung von Google-Analytics transparent und gibt in seiner Datenschutzerklärung an, dass der Dienst nur zur Überwachung der Nutzungsströme und zur Verbesserung des Angebotes genutzt werde und Nutzer nicht identifiziert würden:

„flinga.fi and nordtouch.fi uses Google Analytics service to monitor the usage flows to improve the quality of service. No users are identified“

In einer Analyse des Verhaltens von Google-Analytics mit der Google-Analytics Prüfung der Universität Bamberg ließen sich zwei Google-Analytics-Tracker nachweisen, die beide ohne IP Anonymisierung genutzt werden. Die Google-Analytics Prüfung lief über die Hauptseite flinga.fi und nicht über die Seite eines aktiven Boards oder das Dashboard von Flinga. Mit der FireFox NoScript Erweiterung lässt sich Google-Analytics jedoch auch dort nachweisen. Damit erhält Google bei jedem Aufruf eines Boards die komplette IP Nummer des Nutzers. Mit dieser verbunden werden eine Reihe von Daten an Google übertragen, die potentiell Aufschluss über Interaktionen mit der Website geben können, wie auch in der Datenschutzerklärung beschrieben, und dieses potentiell in Verbindung mit einem identifizierbaren Nutzer.

Hinweise zur Nutzung durch Schulen

Grundsätzliches

Nordtouch richtet sich mit seinem Angebot Flinga speziell an den Bildungsbereich. Der Anbieter hat sicherlich kein Interesse daran, Nutzerdaten in irgendeiner Art und Weise zu Geld zu machen. Trotzdem möchte er wissen, wie sein Angebot genutzt wird, etwa um festzustellen, ob Nutzer die Plattform öfter nutzen. Abgesehen von den Lehrkräften als Nutzern, die Boards erstellen und mit Schülern teilen können, kennt der Anbieter seine Nutzer nicht. Über Google-Analytics kann er lediglich sehen, wie viele Nutzer den Dienst einmal oder wiederholt genutzt haben und er kann außerdem einige Informationen erhalten über die Art der Nutzung. Diese werden ergänzt durch die Serverlogs, welche jeder Server, auf dem Webseiten laufen, erhebt. Die Nutzung von Google-Analytics ist aus Sicht von Datenschutz nicht völlig unproblematisch, auch wenn der Dienst aktuell vermutlich auf der Großteil aller Webseiten zum Einsatz kommt. Ist der Nutzer zeitgleich mit dem Besuch bei Flinga auf einer anderen nicht-schulischen Webseite eingeloggt oder war zuvor dort eingeloggt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Google den Besuch bei Flinga dem Nutzer zuordnen kann. Google erfährt dabei zwar nichts über Inhalte, die der Nutzer im Flinga Board eingetragen hat, doch der Besuch ergibt einen weiteren Mosaikstein im Profil, welches über den Nutzer erstellt wird.

Google-Analytics lässt sich leicht unterdrücken, wenn ein sicherer Browser wie Brave oder Firefox oder auf Mobilgeräten auch der DuckDuckGo Brower mit entsprechenden Einstellungen genutzt wird oder eine zusätzliche Browsererweiterung wie NoScript in Firefox eingerichtet wird.

Da die Bereitstellung und Nutzung von Flinga durch Schüler ohne die Erstellung von individuellen Nutzerkonten erfolgt und der Anbieter auch sonst selbst keine personenbezogenen Daten erhebt und auswertet, sollte eine Nutzung des kostenlosen Angebots auch ohne einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung möglich sein.2 Bei kostenpflichtigen Lizenzen von Flinga für Schulen sollte es einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung geben.

Nutzung in der Schule

Wird Flinga mit schulischen Endgeräten in der Schule und ohne gleichzeitigen Login an anderen Online-Plattformen genutzt, können die im Hintergrund von Flinga aktiven Trackingmechanismen und Drittanbieter keine für sie verwertbaren Daten erheben. Das gilt sowohl für die konsumierende Nutzung eines Boards als auch die aktive Arbeit an einem Board bei einer Einladung über QR Code, Code oder Einladungs Link für nicht registrierte Nutzer.

Nutzung zu Hause/ auf privaten Geräten/ BYOD

Rufen Schüler ein Flinga Board von zu Hause aus auf, über das Mobilnetz mit ihrem Smartphone oder mit einem privates Endgerät über das WLAN Netz der Schule, so greifen die verschiedenen im Hintergrund laufenden Dienste Daten der Nutzer ab, die diese über Zusammenführung mit eigenen Daten oder solchen aus anderen Quellen identifizierbar machen. Damit wird es möglich, den Aufruf eines Flinga Boards einer identifizierbaren Person zuzuordnen.

Wird Schülern ein Flinga Board zum Abruf auf privaten Endgeräten oder vom heimischen Internetanschluss angeboten, so sollten sie vorab über die möglichen Risiken informiert werden. Es sollten ihnen außerdem Möglichkeiten gezeigt werden, wie sie sich zumindest in Teilen schützen können, etwa durch Nutzung von Brave Browser, Firefox oder von DuckDuckGo Browser auf Mobilgeräten.

Datenschutz Bewertung Übersicht

Nutzung in der Schule mit schulischen Endgeräten

Solange Schüler nicht gleichzeitig an anderen Online-Plattformen eingeloggt sind, wodurch sie für das im Hintergrund eines Flinga Boards aktive Google-Analytics potentiell identifizierbar würden, kann die Plattform sowohl zur Bereitstellung von Informationen als auch zur kollaborativen Erstellung einer Ideensammlung genutzt werden.

Nutzung auf privaten Endgeräten/BYOD (Google-Analytics unterdrückt)

Das im Hintergrund eines Flinga Boards laufende Google-Analytics lässt sich durch Einsatz von sicheren Browsern wie Brave Browser, Firefox oder DuckDuckGo auf Mobilgeräten deaktivieren. Eine Nutzung von Flinga ist dann ohne Risiken für Schüler mit einem privaten Endgerät in der Schule oder vom heimischen Internetanschluss aus möglich. Allerdings setzt das voraus, dass Schüler die Möglichkeit, sich zu schützen, auch nutzen. Bei jüngeren Schülerinnen und Schülern kann man sich darauf eher nicht verlassen, wenn sie unbeaufsichtigt im Internet unterwegs sind. Vier Sterne, weil eine Nutzung mit deaktiviertem Google-Analytics ohne Risiken möglich ist, jedoch aktives Nutzerhandeln erfordert.

Eltern sollten deshalb vor der Nutzung von Flinga auf einem privaten Gerät oder über den heimischen Internetanschluss über die Plattform, potentielle Risiken und Möglichkeiten, diese auszuschalten informiert werden. Setzt eine Lehrkraft Flinga im Unterricht ein und Schüler sollen dieses auf privaten Endgeräten oder vom heimischen Internetanschluss aus nutzen, so kann dieses nur ein Angebot sein und die Nutzung freiwillig.

Nutzung auf privaten Endgeräten/BYOD (Google-Analytics aktiv)

Wird Google-Analytics nicht aktiv unterdrückt durch die Nutzung eines sicheren Browsers, werden die Nutzer wie oben beschrieben für Google potentiell identifizierbar. Dadurch dass Google dem Benutzer dann den Besuch eines bestimmten Flinga Boards und gewisse Interaktionen darauf dem Benutzer zuordnen kann, sollten sich keine essentiellen Risiken ergeben. Eine Nutzung unter diesen Bedingungen ist jedoch nicht ideal. Es gelten die gleichen Voraussetzungen wie zuvor beschrieben für eine Nutzung mit unterdrücktem Google-Analytics. Zwei Sterne, weil die Risiken, welche sich für Betroffene aus Google-Analytics ergeben, nicht essentiell sind.

Nutzung durch Lehrkräfte – Boards erstellen und teilen

Lehrkräfte müssen selbst entscheiden, ob sie Flinga für ihren Unterricht nutzen möchten. Durch die Erstellung eines Kontos bei Flinga selbst ergeben sich keine Risiken. Die zur Kontoerstellung eingegeben Daten werden nicht weitergegeben und nur zur Bereitstellung der Dienste genutzt. Google-Analytics lässt sich recht einfach unterdrücken. Deshalb vier Sterne.

Fazit

Flinga ist eine nützliches Tool zur Sammlung und Strukturierung von Ideen, welches sich plattformübergreifend im Browser nutzen lässt. Das Tool ist insgesamt vergleichsweise datensparsam aufgestellt. Der Anbieter selbst benötigt nur vom Ersteller eines Boards Daten, um ein Konto zu erstellen und den Dienst bereitzustellen. Beitragende zu einem Board können ohne eigenes Nutzerkonto mitmachen. Flinga erfährt über diese Benutzer, von Logdaten auf dem Webserver abgesehen, nichts und hat auch kein Interesse, diese Daten in irgendeiner Form zu verwerten. Die Nutzung von Google-Analytics ist aktuell weit verbreitet, auch bei Anbietern im Bildungsbereich. Bei einer Nutzung im Unterricht sollte das nicht unberücksichtigt bleiben. Auch wenn die Risiken, welche sich für Betroffene aus Google-Analytics ergeben, nicht essentiell sind, sollten Nutzer den Dienst aktiv unterdrücken, wenn sie mit privaten Endgeräten oder vom heimischen Internetanschluss auf Flinga zugreifen. Die Funktionalität von Flinga wird dadurch nicht beeinträchtigt. Wie bei vergleichbaren Tools sollten Eltern jüngerer Schüler vor einer Nutzung informiert und um eine Einwilligung zur Nutzung gebeten werden, wenn es um eine Nutzung über ein privates Endgerät oder vom heimischen Internetanschluss aus geht. Ältere Schüler sollten nach vorheriger Information in der Lage sein, die Risiken für sich selbst abschätzen zu können, um eigenständig in die Nutzung einzuwilligen.

Stand 12/2020