Flinga – kollaborativ Ideen sammeln

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Beschreibung

Dieser Beitrag wurde am 05.03.2021 aktualisiert, nachdem der Anbieter mitgeteilt hat, dass er auf eine weitere Nutzung von Google-Analytics verzichtet.

Flinga ist eine webbasierte Plattform, mit welcher mehrere Personen zeitgleich Ideen zusammentragen können. Dafür stehen zwei Module zur Verfügung, Flinga Wall, eine Brainstorming-Umgebung, Flinga Whiteboard, ein kollaboratives Whiteboard. Um mit Flinga zu arbeiten, benötigt die Lehrkraft einen Nutzerzugang, für den zumindest eine E-Mail Adresse und ein Passwort erforderlich sind. Zusätzlich abgefragt werden ein Name, eine Schule/ Organisation und ein Land. Hier könnten problemlos frei erfundene Daten eingegeben werden. Alternativ ist ein Login über ein bestehendes Google Konto möglich. Teilnehmer an einer kollaborativen Sitzung mit Flinga benötigen kein eigenes Konto. Sie werden über einen Sitzungs-Code eingeladen, über den sie sich auf der Startseite anmelden. Alternativ kann der Zugang direkt über einen QR-Code erfolgen der direkt in Flinga im Board erstellt wird. Die Nutzung erfolgt über einen Browser.

Nutzer können in ein Flinga Board Texte eingeben und dabei auswählen, ob sie als Text oder in einer Grafik (Quadrat, Kreise, …) angezeigt werden. Außerdem ist es möglich, Bilddateien (jpeg, pnd, …) in ein Board zu laden. In der Flinga Wall können Nutzer außerdem auf Einträge reagieren, indem sie ein Herz vergeben. Die Lehrkraft kann über Einstellungen kontrollieren, ob jeder Nutzer die Eintragungen aller anderen Nutzer bearbeiten kann, nur die eigenen oder das Board nur ansehen kann. Außerdem ist es möglich, das Einbinden von Bilddateien zu deaktivieren. Boards lassen sich exportieren.

In der Basis Version ist Flinga kostenlos nutzbar, dann jedoch auf 5 Boards beschränkt. Es gibt die Möglichkeit, auch kostenpflichtige Lizenzen zu erwerben, mit denen es dann eine größere Anzahl von Boards erstellt werden kann. Schulen können dann Lizenzen an Lehrkräfte verteilen. Die Datenschutzerklärung zu Flinga findet sich nicht direkt in Flinga, sondern kann über die Website des Anbieters Nordtouch erreicht werden.

Datenschutz, Sicherheit

Serverstandort, Anbieter

Der Anbieter von Flinga, Nordtouch, kommt aus Finnland. Flinga wird auf Servern von Amazon Web Services (AWS) betrieben. Unter den Third-Party Requests lässt sich entsprechend auch Cloudfront.net nachweisen, das Content Delivery Network (CDN) von Amazon1Nachweisbar sind Aufrufe, die Servern von AWS in Irland zugeordent werden können, wie solche, die auf US Server hinweisen, von denen Schriftarten abgerufen werden..

Cookies, Tracking

Zur Bereitstellung der interaktiven Funktionalitäten von Flinga werden neben AWS2beim Upload von Bildern lässt sich amazonaws.com auch noch einmal direkt über FireFox NoScript nachweisen. auch Dienste von Google genutzt. Dazu gehört ajax.googleapis.com, über den Google sogenannte JavaScript Bibliotheken für die Betreiber von Webseiten bereitstellt. Diese binden die JavaScript Bibliotheken in ihre Webseiten ein, wenn sie deren Funktionalitäten benötigen. Beim Aufruf eines Flinga Boards über den Browser werden dann, sofern sie noch nicht beim Besuch einer anderen Webseite benutzt wurden, die entsprechenden Programm Bibliotheken in den Browser geladen, wozu der Browser eine Verbindung zu den Google Servern herstellt. Außer Cloudfront.net lässt sich über WebbKoll Dataskydd neben ajax.googleapis.com keine weiteren Verbindungen zu Drittanbietern nachweisen. Verglichen mit anderen Anbietern, die weitaus mehr Dienste Dritter im Hintergrund laufen haben, erscheint Flinga von daher insgesamt „sehr datenschutzfreundlich“.

Aus der Nutzung von AWS für die Bereitstellung von Flinga und die Einbindung von JavaScript Bibliotheken über Google Server sollten sich für Benutzer keine Risiken ergeben.

Google-Analytics

Mit einem E-Mail vom 05.03.2021 teilt Nordtouch mit, dass in flinga.fi kein Google-Analytics mehr zum Einsatz kommt.3„Nordtouch Ltd’s Flinga service has completely given up the use of Google Analytics in its service.“ Bei einer Überprüfung ist Google-Analytics nicht mehr nachweisbar. Im Sinne einer schulische Nutzung von flinga.fi ist das eine sehr gute Entscheidung des Anbieters. Nach der Datenschutzerklärung nutzt man „anonyme Benutzerdaten zur Überwachung der Nutzungsströme, um die Servicequalität zu verbessern.“ Dafür werden keine Dienste Dritter verwendet, sondern am wahrscheinlichsten die von der Plattform und dem Webserver selbst erzeugten Log-Daten in anoymisierter Form.

Hinweise zur Nutzung durch Schulen

Grundsätzliches

Nordtouch richtet sich mit seinem Angebot Flinga speziell an den Bildungsbereich. Der Aufbau der Plattform und wie eingesetzen Technologien zeigen, dass der Anbieter kein Interesse daran hat, Nutzerdaten in irgendeiner Art und Weise zu Geld zu machen. Trotzdem möchte er wissen, wie sein Angebot genutzt wird. Dieses wird nach Angaben des Anbieters datenschutzfreundlich umgesetzt. Abgesehen von den Lehrkräften als Nutzern, die Boards erstellen und mit Schülern teilen können, kennt der Anbieter seine Nutzer nicht.

Da die Bereitstellung und Nutzung von Flinga durch Schüler ohne die Erstellung von individuellen Nutzerkonten erfolgt und der Anbieter auch sonst, von den üblichen Log Daten selbst keine personenbezogenen Daten erhebt und auswertet, sollte eine Nutzung des kostenlosen Angebots auch ohne einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung möglich sein.4 Bei kostenpflichtigen Lizenzen von Flinga für Schulen sollte es einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung geben. Voraussetzung hierfür eine Nutzung ohne AVV ist jedoch, dass keine persönlichen Inhalte in Texten und Fotos durch Schüler in ein Board eingestellt werden.

Nutzung in der Schule

Wird Flinga mit schulischen Endgeräten in der Schule genutzt, fallen für den Anbieter keinerlei verwertbare Daten an. Das gilt sowohl für die konsumierende Nutzung eines Boards als auch die aktive Arbeit an einem Board bei einer Einladung über QR Code, Code oder Einladungs Link für nicht registrierte Nutzer.

Nutzung zu Hause/ auf privaten Geräten/ BYOD

Rufen Schüler ein Flinga Board von zu Hause aus auf, über das Mobilnetz mit ihrem Smartphone, so erhält der Anbieter nur die üblichen Log Daten, die jedoch nur anonym ausgewertet werden. Beim Aufruf über ein privates Endgerät über das WLAN Netz der Schule fallen nur wenige Log Daten an, die Aufschluss über das verwendete Endgerät geben können, jedoch keinen Rückschluss auf den Nutzer zulassen.

Datenschutz Bewertung Übersicht

Die Bewertungen gehen immer davon aus, dass bei der Nutzung von flinga.fi keine persönlichen Informationen in ein Board eingestellt werden.

Nutzung in der Schule mit schulischen Endgeräten

Bei einer Nutzung in der Schule mit schulischen Endgeräten kann die Plattform ohne Risiken sowohl zur Bereitstellung von Informationen als auch zur kollaborativen Erstellung einer Ideensammlung genutzt werden.

Nutzung auf privaten Endgeräten/BYOD

Auch bei einer Nutzung von privaten Endgeräten in der Schule (BYOD) oder vom heimischen Internetanschluss aus wie auch von mobilen Endgeräten aus bestehen für Schüler keine Risken, weder bei einer konsumierenden Nutzung noch bei einer produktiven Nutzung.

Nutzung durch Lehrkräfte – Boards erstellen und teilen

Lehrkräfte müssen selbst entscheiden, ob sie Flinga für ihren Unterricht nutzen möchten. Durch die Erstellung eines Kontos bei Flinga selbst ergeben sich keine Risiken. Die zur Kontoerstellung eingegeben Daten werden nicht weitergegeben und nur zur Bereitstellung der Dienste genutzt.

Fazit

Flinga ist ein nützliches Tool zur Sammlung und Strukturierung von Ideen, welches sich plattformübergreifend im Browser nutzen lässt. Das Tool ist insgesamt sehr datensparsam aufgestellt. Der Anbieter selbst benötigt nur vom Ersteller eines Boards Daten, um ein Konto zu erstellen und den Dienst bereitzustellen. Beitragende zu einem Board können ohne eigenes Nutzerkonto mitmachen. Flinga erfährt über diese Benutzer, von Logdaten auf dem Webserver abgesehen, nichts und hat auch kein Interesse, diese Daten in irgendeiner Form zu verwerten. Wie bei vergleichbaren Tools sollten Eltern jüngerer Schüler vor einer Nutzung informiert und um eine Einwilligung zur Nutzung gebeten werden, wenn es um eine Nutzung über ein privates Endgerät oder vom heimischen Internetanschluss aus geht. Ältere Schüler sollten nach vorheriger Information in der Lage sein, mögliche Risiken für sich selbst abschätzen zu können, um eigenständig in die Nutzung einzuwilligen.

Stand 03/2021