Distanzunterricht – Leistungsbewertung – Datenschutz

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Mit Bezug auf Distanzunterricht kommt bei Lehrkräften immer wieder die eine Frage auf: “Wie kann man im Distanzunterricht Leistungen bewerten, wenn Schüler sich weigern, die Videokamera einzuschalten?” “Ich muss Noten im Sportunterricht machen. Wie soll das gehen, wenn ich die Schüler nicht sehe?” “Wenn ich meine Schüler nicht hören kann, wie soll ich im Fremdsprachunterricht ihr Sprechen bewerten?

Wie im Beitrag Distanzunterricht – rechtliche Vorgaben und Möglichkeiten beschrieben, findet sich weder im SchulG NRW in der aktuellen Fassung noch in  der Zweiten Verordnung zur befristeten Änderung der Ausbildungs- und Prüfungsordnungen gemäß § 52 SchulG  eine Rechtsgrundlage, die es ermöglicht, Schüler zur Nutzung einer Videokonferenzplattform zu verpflichten.

Dieses wurde übrigens auch noch einmal bei der Beantwortung einer kleinen Anfrage (Drucksache 17/12894) im Landtag NRW von der Landesregierung so bestätigt.

“Die Verarbeitung von Audio- und Videodaten mit Personenbezug durch die Schule erfordert die Einwilligung der Betroffenen bzw. deren Erziehungsberechtigten, sofern Minderjährige das 16. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.”

Gleichzeitig ist aber auch klar, dass der Distanzunterricht in die Leistungsbewertungen der Unterrichtsfächer mit einfließt. Entsprechend heißt es in §5 der Zweiten Verordnung:

“Sie [die Lehrerinnen und Lehrer] informieren die Schülerinnen und Schüler regelmäßig über die Lern- und Leistungsentwicklung.”

und in §6 Abs. 2:

“Die Leistungsbewertung erstreckt sich auch auf die im Distanzunterricht vermittelten Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten der Schülerinnen und Schüler. Die im Distanzunterricht erbrachten Leistungen werden in der Regel in die Bewertung der sonstigen Leistungen im Unterricht einbezogen.”

Für die Praxis bedeutet das:

  • wenn Schülerinnen und Schüler auf freiwilliger Basis am Distanzunterricht über eine bestimmte Plattform teilnehmen, werden die dort erbrachten Leistungen entsprechend der Zweiten Verordnung in der Leistungsbewertung berücksichtigt,
  • willigen Schülerinnen und Schüler nicht in die Verarbeitung von personenbezogenen Daten zur Nutzung einer bestimmten Plattform ein und wollen beispielsweise die Kamera nicht einschalten, dann
    • kann dieses nicht als nicht erbrachte Leistung gewertet werden,
    • muss die Lehrkraft Alternativen anbieten wie diese Schülerinnen und Schüler eine vergleichbare Leistung erbringen können.

Die Note in einem Fach setzt sich immer aus verschiedenen Arten von Leistungen zusammen. Wenn es nicht möglich ist, die Durchführung von gymnastischen Übungen zu bewerten, weil der Schüler oder die Schülerin weder bereit ist, diese Übungen vor einer Webcam zu zeigen oder der Lehrkraft ein selbstaufgenommenes Video zur Verfügung zu stellen, muss man alternativ eben einen Aufsatz anfertigen lassen zu einem vergleichbaren Thema. Kann man seine Schüler im Fremdsprachunterricht auf Distanz nicht in einer Video- oder Audiokonferenz sprechen hören, weil sie keine Einwilligung erteilen wollen, könnte man ihnen einen Anruf per Telefon anbieten. Alternativ muss man dann vermutlich auf die Bewertung des Sprechens an sich verzichten und andere Leistungen des Schülers zu Bewertung heranziehen und damit ausgleichen. Das tut man in der Regel auch bei sehr stillen Schülern. Kreativität ist gefragt.

Fazit

Leistungen werden selbstverständlich gemäß der Zweiten Verordnung im Distanzunterricht bewertet, da das schulische Datenschutzrecht jedoch Grenzen setzt, was die Verpflichtung zur Nutzung bestimmter Formate von digitalem Distanzunterricht angeht, muss man hier auf alternative Möglichkeiten ausweichen, mit denen Schülerinnen und Schülern Leistungen erbringen können.

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